Leser-Rezension zu „Der traurige Polizist” von Deon Meyer

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Stefan83 Stefan83
Verfasst von Stefan83
am 30.10.2011
 

Wirklich ganz großes Kino, was hier aus Südafrika kommend bei uns auf dem deutschen Buchmarkt aufgeschlagen ist. Da mag so mancher ruhig skeptisch die Augenbraue heben, wenn er auf dem Cover-Aufkleber vom "Mankell Südafrikas" liest. Sehr weit hergeholt ist diese Verbindung nicht. Und auch in Punkto Qualität schenken sich der schwedische Autor und sein Kollege Deon Meyer nicht viel. Im Gegenteil.

"Der traurige Polizist" kann meiner Auffassung nach sogar das Rennen für sich entscheiden, denn trotz zweimaliger Übersetzung (Vom Afrikaans ins Englische, vom Englischen ins Deutsche) bleibt ein außergewöhnlich guter, eindringlicher und vor allem fesselnder Spannungsroman, in dessen Mitte zwar auch ein "kaputter" Ermittler steht, der durch seine Erzählweise aber weniger zäh als der Schwede daherkommt.

Mat Joubert, Polizist bei der Mordkommission der South African Police, ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Der Tod seiner Ehefrau vor gut zwei Jahren hat ihn völlig aus der Bahn geworfen, seinen Elan erstickt und droht ihn nun auch beruflich zu erledigen. Ein neuer schwarzer Abteilungsleiter will nach Ende der Apartheid frischen Wind ins Revier bringen, für Gleichheit sorgen und nebenbei auch noch unliebsame Mitarbeiter aussortieren. Mat, mit mittlerweile miserabler Aufklärungsquote, Raucherlunge und Übergewicht, ist ihm besonders ein Dorn im Auge und wird sofort in die Behandlung durch eine Psychologin geschickt. Während er mit den eigenen Suizidgedanken ringt und der Schmerz übermächtig zu werden droht, versetzt eine mysteriöse Mordserie ganz Kapstadt in Aufregung. Mit einer alten deutschen Mauser aus dem 19. Jahrhundert tötet ein Unbekannter gleich eine ganze Reihe von Menschen, die auf den ersten Blick keine Verbindung miteinander aufzuweisen scheinen. Ein allerletztes Mal rappelt Mat sich auf, versucht den Fall zu lösen und nebenbei mit einem Lebenswandel einen Neustart hinzulegen...

Ein weiterer alkoholabhängiger, von Verlusten getroffener, depressiver Ermittler? Kenn ich alles schon? Denkste. Deon Meyer umschifft meisterhaft die Klischeebehafteten Werke der nordischen Autoren und lässt den Leser stattdessen einen Blick in den Kopf des Hauptprotagonisten werfen. Mit einem eigenen Ton weckt er unsere Sympathie, stellt er einen Zugang zu Mat Joubert her, dessen Leiden man plötzlich nicht nur versteht, sondern auch mitzufühlen beginnt. Selten hat mich ein "schlichter" Krimi so berührt, eine Personendarstellung derart überzeugt wie hier. Eine preisverdächtige Leistung, die Deon Meyer da abliefert.

Hinzu kommt ein sehr intelligenter, spannender Plot, der gegen Ende hin mit jeder Seite mehr an Tempo gewinnt und in einem Finale mündet, dass im Vergleich zum ruhigen Beginn für geschockte Stille und Verstörung sorgt. Ein Hammer-Ende, das mich das Schlucken hat vergessen lassen und das lange nachwirkt.

Insgesamt ist "Der traurige Polizist" ein melancholischer, aber dennoch extrem kurzweiliger Krimi-Thriller-Mischling mit Tiefgang, der die Veränderungen im neuen Südafrika perfekt abbildet und Fans anspruchsvollerer Spannungsliteratur nur ans Herz gelegt werden kann. Für mich persönlich eine der Entdeckungen dieses Jahres. Und die nächsten Meyer-Bücher warten bereits im Regal.

 

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Der traurige Polizist Der traurige Polizist
Deon Meyer

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krimi, südafrika, kapstadt, afrika, apartheid

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Der traurige Polizist
von Deon Meyer

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