Leser-Rezension zu „Feuer und Stein” von Diana Gabaldon
am 17.08.2010
Nun habe ich ihn doch auch mal gelesen, den berühmten ersten Band der Highland-Saga....
Ich muss sagen, irgendwie bin ich doch ein bißchen enttäuscht, denn was hat man nicht alles für Lobreden gehört über das schöne Liebespaar Jamie und Claire - gerade so als wären sie Romeo und Julia.
Die magische Zeitreise ins Schottland des 18. Jahrhunderts war für mich lange nicht so wild-romantisch, wie der Klappentext verheißen wollte.
Die Figuren blieben recht eindimensional - der durch und durch böse, brutale Jonathan Randall und ihm gegenüber die engelsgleiche Claire und der heldenhafte Jamie Fraser: groß, muskulös und trotzdem feinfühlig - eben ein Bild von einem Mann.
Da sind die Nebenfiguren schon wesentlich interessanter und vielschichtiger. Geilis Duncan zum Beispiel oder die Brüder MacKenzie, sogar der verschlossene Murtagh.
Die Handlung der knapp 800 Seiten ist ganz nett, liest sich flüssig und stellt eigentlich keine Ansprüche an den Intellekt des Lesers. Aber mal ehrlich, nachdem die beiden Protagonisten sich recht zügig gefunden haben, wird die Handlung andauernd mit wildem Gerammel unterbrochen. Kann heute eigentlich niemand mehr eine romantische Liebesgeschichte schreiben, ohne dass dauernd wort- und detailreich beschrieben wird, wer wann wo wie oft und mit wem in welcher Stellung..... ? Offenbar nicht. Das ist weder romantisch, noch glaubwürdig. Egal ob mitten im Wald oder im Kloster, ob auf einer lebensgefährliche Flucht oder gerade einer fast todbringenden Krankheit erliegend, sogar nach einem Streit mit brutaler Auspeitschung der Ehefrau durch den Ehemann): die beiden sind körperlich allzeit bereit und willens, sich gegenseitig ihre Liebe zu demonstrieren, und der arme Leser weiß nicht, ob er schamhaft erröten oder beim 100sten Mal lieber gelangweilt gähnen soll.
Würde man all die Szenen streichen, die ich mir lieber vor meinem geistigen Auge ausmalen würde, als davon zu lesen - dann wäre das Buch vermutlich nur ein Drittel so dick!
Punkte gibts also für den flüssigen Schreibstil und das, was an Handlung noch übrig bleibt, wenn man die unanständigen (vor allem häufig überflüssigen) Szenen streicht.
Ich werde den zweiten Band lesen - weil es einerseits nicht viel Aufwand bedarf, da es sich ja zugegebenermaßen schnell und flüssig liest und weil ich ihn andererseits schon mal hier stehen habe. Was mit den restlichen Folgebänden ist, das steht in den Sternen - erstmal muss ich schauen, ob der zweite Band um einiges besser ist als der erste oder ob sich doch nur alles endlos wiederholt......
Wer in diesem Buch die größte Liebesgeschichte aller Zeiten sieht - oha, armer Mensch! - der hat entweder noch nicht viele gelesen oder hat doch zumindest eine gänzlich andere Vorstellung von Romantik als ich.
Kommentare zu dieser Rezension
Buecher_und_Meer vor 1 Jahr
Hammer Rezension :-) musste wirklich schmunzeln. Habe mich bisher nicht an diese Reihe herangetraut, kann das Thema aber nun ruhigen Gewissens abhaken. Wenn ich eines hasse, dann sind das übertriebene und stääändig wiederkehrende Sexszenen... Danke dafür!
keili vor 1 Jahr
Du sprichst mir aus der Seele und bringst es auf den Punkt!!!! So gut und treffend konnte ich es leider nicht ausdrücken ;-) lg
silbereule vor 1 Jahr
Hallo Dunkelkuss - wenn Du etwas weniger Schwülstiges zum Thema Schottland lesen möchtest, empfehle ich den 2Teiler von Michael Phlillips - *Der Stein der Kelten* und *Schwert und Krone*
silbereule vor 1 Jahr
ich kann das alles nur bestätigen, auch mich haben diese endlosen Begattungsszenen arg gestört, ebenso wie die ständige Flucherei, ja selbst die Eheleute verfluchen sich ständig gegenseitig und das sehr kräftig - sorry, aber das finde ich nicht witzig. Ich meine auch, weniger wäre mehr gewesen - das gilt auch oder ganz besonders für die Folgeromane, die sich oft endlos in die Länge ziehen, weil jede krüppelige Kiefer drei Seiten lang beschrieben wird. Schade, denn an sich gefällt mir das Thema. Ich könnte mir vorstellen, eine stark bearbeitete Version würde echt gut ankommen.
Dunkelkuss vor 1 Jahr
Hallo! Super Rezension! Mir ging dieses ewige Gef.... in "Feuer und Stein" auch mächtig auf den Zeiger. Am Anfang war das Buch echt gut, aber nach der Hochzeit war's dann ein bisschen... zu viel des Guten. Die Epoche ist aber sehr interessant wie ich finde. Sollte es mal ein Buch geben, das auch in dieser Zeit spielt, ohne diesen Romantik(?)sülz werde ich es auf jeden Fall kaufen *lacht* LG DK





