Leser-Rezension zu „Eine Reise mit Alice” von Diane Broeckhoven
am 26.06.2010
Nach der wunderbaren Vorgeschichte mit dem Titel: ein Tag mit Herrn Jules, wird hier die Fortsetzung erzählt.
Im ersten Büchlein war Herr Jules morgens tot in seinem Sessel sitzend gefunden worden.
Nun hören wir einige Episoden aus dem Leben seiner Witwe Alice.
Hier berichtet D. B. über kurze Begebenheiten und eher Ausflüge als Reisen, die Alice nach dem Tod von Herrn Jules unternommen hat.
Nach Paris fährt sie, um den Spuren der Vergangenheit mit Jules nachzugehen. In Ostende wohnt ihre Schwester; in Antwerben lebt sie selbst, und eine Freundin will sie vergeblich überreden, mit nach Benidorm zu fahren.
Die Freundin, die Schwester, eine Nachbarin,--sie alle meinen es gut mit ihr.
Alice hat sich ihr Leben lang nach Jules richten müssen und hat unter seinem Eigensinn und seiner Rechthaberei gelitten. Jetzt fehlt er ihr und sogar seine Eigenheiten, an die sie sich in einem langen gemeinsamen Leben gewöhnt hatte.
Der Reiz dieser Geschichte besteht in der vorzüglichen Beobachtung eines langsam zu Ende gehenden Lebens.
Die Decke, die über die Beine gezogen wird, die Beschwerlichkeit, sich aufzusetzen und die Beine zu bewegen, das Nickerchen zu jeder Tageszeit, während der Tag verläuft.......
Da wird über die Unbequemlichkeit berichtet, die alte Menschen bei einem Ortswechsel empfinden.
Die Eigenheiten, die man in einem langen Leben entwickelt hat, und mit denen man sich nicht mehr an andere Menschen und deren Wünsche gewöhnen möchte, werden thematisiert. Auch der Eigensinn und die Selbstsucht, mit der man andere behelligt und sich einzelne behelligt fühlen, erfährt eine wunderbare Darstellung.
Das Wärmebedürfnis, das stetige Gleichmaß des täglichen Einerleis, die Träume über Vergangenes, die Anstrengung einer Fahrt mit der Trambahn: Diane Broeckhoven ist eine ausgezeichnete
Beobachterin all’ der Kleinigkeiten, die das Leben alternder Menschen kennzeichnet.
Dabei schreibt sie voller Wärme und Verständnis, so dass man unweigerlich mit Achtung vor diesem Menschen in der letzten Lebensphase steht.
Eine vorzügliche und bestens zu empfehlende Altersstudie hat Diane Broeckhoven mit dieser kleinen und leicht zu lesenden Geschichte geschrieben!

