Zuallererst möchte ich sagen, dass ich mich unheimlich gefreut habe, als ich von diesem Buch erfahren habe. Ich habe ziemlich genau vor 2 Jahren bereits "Der Todesflüsterer" von Donato Carrisi gelesen und es wurde neben "Der Todeskünstler" von Cody McFadyen zu meinem absoluten Lieblingsthriller. Der Schreibstil war absolut fesselnd und die Geschichte absolut neu und spannend. Und genauso ging es mir auch hier mit "Der Seelensammler", ein unabhängiger Einzelthriller mit wahnsinnig interessanten Infos, die sich am Ende als tatsächlich real erweisen.
3 Handlungsstränge ziehen sich durch diese Geschichte, die zu Beginn anscheinend überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Solch ein Herangehen an einen Thriller ist meiner Meinung nach immer mit einem hohen Risiko verbunden. Mehrere Charaktere verwirren, mehrere Morde lassen einen die Täter durcheinanderschmeißen und lassen einen allgemein oft verwirrt zurück. Doch Carrisi ist es, genau wie in seinem ersten Roman, sehr gut gelungen, die einzelnen Handlungspersonen und -vorfälle so stark zu charakterisieren, dass es zu kaum Verwechslungen kam.
Es ist für jeden etwas dabei. Die kleinen Einblicke in das Leben eines "Jägers", der ein Monster jagt... Eine Polizeifotografin, die ihren Mann verloren hat und Nachforschungen anstellt. Und ein Mann, der sein Gedächtnis verloren hat, aber die Gabe eines Profilers bei sich entdeckt. Die 3 Protagonisten sind wahnsinnig gut ausgearbeitet und alle auf ihre eigene Art und Weise sehr realitätsnah und interessant.
Allerdings muss ich sagen, dass der Buchrücken wirklich etwas in die Irre führt. Zwar wird tatsächlich ein Mörder gefunden, der nun im Koma liegt und dessen Opfer #4 noch irgendwo versteckt gehalten ist, doch dieses Verbrechen steht weniger im Vordergrund. Hier komme ich auch zum Manko, was mich dem Thriller 1 Stern abziehen lässt. Es geschehen so viele Morde (teilweise aktuell, teilweise bereits länger zurückliegend), dass man am Ende, als sich alles zu einem Kreis schließt, nicht mehr genau weiß, was es mit jedem genau auf sich hatte.
Denn als ich das Buch vorhin beendet habe, musste ich mich erstmal 10 Minuten hinsetzen und stark nachdenken, was genau alles passiert ist. Denn am Ende werden 3 Identitäten aufgeklärt, die teils eine größere, teils eine kleinere Rolle der Handlung eingenommen haben. Dieses Gewirr zu entschlüsseln fand ich am Ende dann doch etwas schwierig. Würde ich den Thriller JETZT nochmal lesen, würde ich wohl besser durchsteigen. Denn obwohl ich ihn innerhalb weniger Tage gelesen habe, war es mir doch etwas zuviel, mich an alles zu erinnern.
Darauf sollte man auf jeden Fall achten: Lest diesen Thriller nur, wenn ihr wirklich Zeit habt, sich ihm voll und ganz hinzugeben. Manche Passagen musste ich zweimal lesen, da es doch teilweise sehr viel Konzentration erforderte. Doch genau das hat mir auch solchen Spaß gemacht. Es ist ein Thriller zum Mitfiebern, zum Mitermitteln, zum Nachdenken. Das Ende wird einem nicht mittendrin schon klar, es bleibt bis zum Ende spannend.
Besonders die Institution, die sich hinter einem der Protagonisten verbirgt, fand ich besonders spannend. Umso mehr, nachdem ich die Schlussanmerkungen des Autors gelesen habe. Ich würde diesen Autor wirklich sehr gerne persönlich kennenlernen, weil er so wunderbar schreibt und es erneut geschafft hat, mich in die menschlichen Abgründe zu führen. Er hat mich an die Hand genommen und mich an den Leben der Figuren teilhaben lassen. Ich bin mir sicher, dass mir die Story noch einige Tage nachhängen wird und ich mich auch in 2 Jahren (wie auch bei dem Todesflüsterer) noch an die Handlung erinnern kann - ein Zeichen, dass mir ein Buch wirklich sehr gut gefallen hat.
Wie gesagt, den einen Stern Abzug gibt es wirklich nur wegen dem sehr gehirnschmalzfördernden Ende. Ansonsten gebe ich hier eine absolute Kaufempfehlung :-)