Leser-Rezension zu „Der Tag, an dem Marilyn starb” von Donna Milner
am 6.07.2010
Dies ist der zweite Roman aus der Feder Donna Milners: "River" hieß ihr großartiges Debüt und mit "Der Tag, an dem Marilyn starb" knüpft sie an diesen großen Erfolg an.
Wieder einmal lässt sie ihre Leser einen Blick werfen auf das Leben einer Familie, die versucht, das eigene Schicksal zu meistern und trotz aller Widrigkeiten glücklich zu sein. Dabei zeichnet sie ein sehr liebevolles und zärtliches Bild ihrer Figuren, die um ihr gemeinsames Leben kämpfen.
August 1962: Lucy Coulter stirbt ganz plötzlich und unerwartet. Ihr Tod wird als Unfall eingestuft: Lucy und ihre Freundin Marlene Telford starben auf dem Boot der Telfords an einer Kohlenmonoxydvergiftung. Zurück lässt sie ihren Mann Howard mit den drei Kindern Frankie, Ethie und Christopher, den alle nur Kipper nennen und der das Down-Syndrom hat. In die Trauer um Lucy mischt sich die Angst um die Familie, denn Howard ist als Vater körperlich zwar anwesend, geistig aber so gut wie nie. Nachdem er aus dem Krieg nach Hause gekommen war, war er einfach nicht mehr derselbe. Niemand in der Familie kennt die genauen Gründe, nicht einmal Lucy. Alle nehmen an, es seien die "üblichen" Veteranen-Erinnerungen an einen grausamen Krieg, die Howard so zusetzen und die es ihm unmöglich machen, ein normales Leben zu führen. Lucy war diejenige, die die Familie zusammenhielt und sie war es auch, die Howard aus seinen Albträumen oder Panikattacken herausholen konnte. Nach ihrem Tod scheint die kleine Familie zu zerbrechen, denn Howard entfernt sich immer mehr von der Außenwelt und verfällt immer mehr dem Alkohol, mit dem er seine Gefühle zu betäuben erhofft.
Donna Milner hat ihrem Roman zwei Erzählperspektiven gegeben: die aktuellen Geschehnisse nach Lucys Tod erzählt sie als allwissender Autor durch Ethies Augen, die Zeit des Krieges durch die Howards. So erfährt der Leser zwischendurch immer wieder ein bisschen mehr von dem, was Howard zu dem Mann hat werden lassen, der er heute ist. Und je mehr wir erfahren, desto deutlicher wird, dass diese Familie auf eine Katastrophe zusteuert, wenn Howard nicht endlich erzählt, was in Hongkong während seiner Stationierung dort geschehen ist. Je weiter man im Roman kommt, desto deutlicher treten auch die Zusammenhänge zutage und man fühlt und leidet mit jedem einzelnen Mitglied dieser Familie mit. Auch hier schafft Donna Milner es wieder deutlich zu machen - wie auch schon zuvor in "River" -, dass niemand die Schuld alleine trägt und wie wichtig Offenheit und Kommunikation in der Familie ist.

