Nach ihrer Scheidung wohnt Maren mit ihren siebenjährigen Tochter Julia in einem abgelegenen Dorf im Hintertaunus. Überfordert von den neuen Lebensumständen hat Maren immer öfter einen Alptraum, in dem ein Kind um Hilfe schreit. Als sie zufällig erfährt, dass in dem Ort vor einigen Jahren ein kleines Mädchen verschwand, stellt sie - mit wachsender Unruhe - selbst Nachforschungen an. Doch da hat Julia schon längst die Bekanntschaft eines freundlichen Mannes gemacht...
Imgrunde weiss ich nicht so recht, wie ich dieses Buch beurteilen soll.Spannend- ja . Gut geschrieben - ja. Dichte Atmosphäre - ja. Schlüssig aufgebaut und auch wieder zusammengeführt - ja. Aber...
die anfänglich - ohne Ehemann - in fast allen Dingen total hilflos-überforderte Maren, reizt mich dazu, sie zu schütteln und zu rütteln. Erst zu Ende des Buches hin gibt es einige Szenen mit dem Ex-Mann, in denen erstmals beide Seiten beleuchtet werden und siehe da, da sieht doch im Rückblick gleich alles etwas anders aus...
Tochter Julia nervt lange Zeit des Buches noch viel mehr - kann ein 7-jähriges Mädchen wirklich so penetrant aufdringlich sein, ohne dass die Mutter etwas dazu sagt bzw. eben nur "unglücklich" daneben steht? Hier wäre ein bisschen weniger mehr gewesen...
Und - wer solche "Freunde" hat wie Maren- der braucht wohl keine Feinde mehr, dachte ich mir beim Lesen....
Sicher, es ist weder ein Ehe-noch ein Erziehungsbuch, sondern ein Thriller, aber diese Komponenten durchziehen doch das ganze Buch und halten mich daher von einer superguten Bewertung ab.
Sonst ist das Buch wirklich sehr gut geschrieben und aufgebaut. Es ist einem geübten Krimileser zwar bald klar, dass der "fremde" Mann, denn Maren und somit auch Julia kennenlernen, sicher nicht der Bösewicht ist, aber immerhin gilt es eine Zeitlang zu rätseln, wer das denn nun wirklich ist.........wenn auch nicht solange wie die Hauptfigur Maren, die sich doch bis fast zu Ende des Buches mit ihren Befürchtungen herumschlägt und falscher gar nicht liegen könnte. Gut gemacht sind auch die Szenen, in denen die kleine Julia bereits mit dem "freundlichen Mann" (ich wusste auch lange nicht, wer das und damit der Täter ist!) alleine ist,wie er das Mädchen geschickt umgarnt und dazu bringt, zu Hause nichts zu verraten und eben die Rückblicke, wie es mit dem anderen, verschwundenen Mädchen war.
Sehr gut herausgearbeitet von der Autorin ist auf jeden Fall das dörfliche oder kleinstädtische Leben.Es ist ja nun nichts Neues mehr - und wurde auch immer öfters "Krimistoff" in den vergangenen Jahren - dass das Landleben, das nach außen so gemütlich und beschaulich wirkt , auch durchaus negative Seiten hat,und auch hier, wie überall, Verbrechen geschehen. Aber - auf dem Dorf kennt jeder fast jeden und leider ist es auch heute noch so, dass jeder jeden beobachtet und - hinter dessen Rücken meistens- sein Tun und Lassen , wenn nicht kritisiert, so doch zumindest mit anderen des Dorfes beredet. Also sollte man doch meinen, dass es hier eher als in Großstädten möglich ist, Verbrechen besser und schneller aufzuklären.
Und trotzdem kann hier ein Täter solange unerkannt bleiben? Ja...oder: gerade deswegen.....und das Warum hat die Autorin sehr gut vermittelt. In Doris Bezler's Buch erfahren/hören wir auch einiges vom Mörder selbst, natürlich ohne dass er sich zu erkennen gibt... Und wie sagt er selber "auch ....hier.... bin ich gesehen worden. Auch das meldete niemand der Polizei"....also hilft eine solche Gemeinschaft einem möglichen Täter, lange unerkannt zu bleiben. Ohne das im Grunde bewussst zu machen, zu verschweigen, aber das ist "einer von uns" und das geht "die Fremden nichts an" - so muss auch die Hauptperson Maren in diesem Buch erfahren, das Ihr Leben von allgemeinem Interesse ist, dass sie wiederum aber auf Ablehnung stösst, wenn sie bei undurchsichtigen oder, für sie nicht akzeptablen Zuständen ,etwas ändern möchte...
Sehr dramatisch, fast unblutig, aber konsequent "dörflich" geht das Buch zu Ende, allerdings bleibt der Leser auch mit der Frage alleine, was denn nun aus der Liebesgeschichte von Maren und ihrem Freund wird...