Die Geschichte beginnt damit, dass Ethan Rosen, ein angesehener Wissenschafter und Mitarbeiter an der Wiener sowie der Tel Aviver Universität einer Erwiderung auf den in einer österreichischen Tageszeitung erschienenen Nachruf auf einen alten Freund seiner Familie verfasst. Der Nachruf zitiert einen nicht namentlich genannten israelischen Intellektuellen, dessen Thesen sowie den Verfasser des Nachrufs Ethan Rosen scharf kritisiert. Wie sich wenig später herausstellt, ist er selbst dieser israelische Intellektuelle und den betreffenden Artikel, aus welchem das Zitat stammt, wurde einige Zeit zuvor in einer israelischen Zeitschrift veröffentlicht. Dies ist der Ausgangspunkt für eine Geschichte, die Ethan nicht nur zurück nach Tel Aviv, sondern auch auf die Spur eines Familiengeheimnisses führt.
Als es in der Folge zwischen dem Verfasser des Nachrufes, Rudi Klausinger und Ethan Rosen nicht nur zu einer medialen Auseinandersetzung rund um diesen Nachruf, sondern auch um einen Konkurrenzkampf um den eigens für Ethan an der Wiener Uni geschaffenen Lehrstuhl kommt, beschliesst Ethan, des Konkurrenzkampfes überdrüssig und aufgrund der Erkrankung seines Vaters, nach Tel Aviv zurückzukehren.
Doch wenn er geglaubt hatte, somit seinem Konkurrenten auszukommen hat er sich getäuscht, mit einem Mal scheint Rudi Klausingen in seinem Leben omnipräsent zu sein, sogar am Krankenbett seiner nierenkranken Vaters trifft er auf ihn. Immer mehr fühlt er sich vom anderen verfolgt, umso mehr deshalb als dieser gleichsam sein Gegenpart zu sein scheint. Während Ethan als Einzelkind in einer liebevollen, harmonischen Familie aufgewachsen ist, war es Rudi als „Bastard“, als Kind einer ledigen Mutter, die in ihm das grösste Unglück ihres Lebens sah, schon von klein auf gewöhnt sich anzupassen.
Anhand der beiden Personen Ethan und Rudi, demonstriert Doron Rabinovici, zwei unterschiedliche Ausprägung von „Andernorts“, der eine, der zu viele Heimaten hat und sich stets am einen nach dem anderen Ort sehnt und den anderen der in jedem anderen Ort, in Ermangelung einer solchen, eine Heimat sehen möchte. So spielt er einerseits mit Ethans ambivalenten Gefühlen je nach dem in welcher seiner Heimatstädte, Wien oder Tel Aviv, er sich gerade aufhält und andererseits mit der Fähigkeit seines Gegenparts, Rudi Klausinger, sich überall auf der Welt, nicht zuletzt auch sprachlich anpassen zu können, sich an jedwedem Ort heimisch fühlen zu können.
Als dieser eröffnet, dass er glaube, der uneheliche Sohn von Ethans Vater, Felix Rosen, zu sein und sich mit Leichtigkeit einen Platz im Leben der Rosens zu schaffen und Ethan auch noch fürchtet, seine Freundin Noa an Rudi zu verlieren, schaukelt sich die Situation immer weiter hoch, bis die Geschichte urplötzlich eine überraschende, unerwartete Wendung nimmt.
Auf tragikomische Weise beschreibt Doron Rabinovici, die Suche nach Identität und Heimat seines Protagonisten, die dieser kaum in einem zu Hause angekommen, bereits wieder andernorts vermutet. Und wie sein Umkehrpart, der Widersacher, der, ebenfalls auf der Suche, Andernorts nur allzu leicht fände, was er sucht. Ein einfach geschriebenes Buch, voll subtiler Wahrheiten, das gerne mit Gegensätzen spielt. Ein durchaus gelungener Roman, der zu Recht auf der Shortlist des deutschen Buchpreises 2010 war.
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