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Vor 2 Jahren
(8)Douglas Adams ist berühmt geworden mit seiner fünfteiligen Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis“, einem Meisterwerk des britischen Humors und der Science-Fiction, über das Leben, das Universum und alles andere. Dort hat er unter anderem eine Antwort auf die alles entscheidende Frage jedes intelligenten Lebewesen gefunden, die für sich genommen schon Kultstatus erreicht hat.
Ich spreche natürlich von „42“.
Die Letzten ihrer Art ist keine fiktive Geschichte, es ist eine Sammlung von Erfahrungsberichten aus Reisen, die Adams mit seinem Freund Mark Carwardine, einem Zoologen, unternommen hatte. Das Erstaunliche daran ist, dass dieses Tagebuch genauso skurril und komisch ist, wie seine Science-Fiction Persiflage, nur ist die unterschwellige Botschaft eine viel ernstere:
Adams begab sich mit Carwardine in die entlegensten Orte der Welt, um dem Titel des Buches entsprechend im wahrsten Sinne des Wortes nach den Tieren, und nicht irgendwelchen, sondern nach den Letzten ihrer Art zu suchen.
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Es verschlug sie nach Madagaskar, nach Zaire, an den Yangtse-Fluss in China, nach Mauritius etc., wo sie Lemuren, Schimpansen, Weisse Nashörner, Flussdelphine, flugunfähige Vögel und viele weitere bedrohte Tierarten aufsuchten, in der Hoffnung, eines der letzten noch lebenden Exemplare zu erspähen und nach Möglichkeit deren prekäre Lage bei den dort tätigen (oder untätigen) Behörden und den dort lebenden Menschen ins Bewusstsein zu rufen.
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Man könnte meinen, dass ein humoristisches Buch für das Vorhaben Artenerhaltung eher kontraproduktiv ist, weil sich ein schlechter Autor seine Spässe auf Kosten der Tiere, der Tierschützer oder umgekehrt auf Kosten der korrupten Behörden und der „bösen“ Einwohner machen könnte.
Doch Douglas Adams ist kein schlechter Autor. Er schafft es, durch seine völlig selbstironische Art eine Komik aufzubauen, die einerseits zum Brüllen komisch ist, aber gleichzeitig respektvoll ist und Sympathie weckt für die hilflosen Tiere und die mehrheitlich schrulligen Tierschützer aus aller Welt.
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Zum Beispiel Carl, ein Ornithologe auf Mauritius, der – wie Adams beschreibt – eine besonders ausgeklügelte Strategie entwickelt hat, um seine Mitfahrer zu schnellem Antworten zu bewegen. Carl hat einen gemeingefährlichen Fahrstil und die leidliche Angewohnheit, sich vom Steuer abzuwenden und seinen Mitfahrern Fragen zu stellen. Wenn es nur Fragen nach dem Wetter oder dem Befinden wären, wäre das nicht ganz so tragisch, aber wenn er zum Beispiel nach den Gründen für den Aufenthalt auf Mauritius fragt, kommt man nicht auf die Idee, lange Schachtelsätze zu bilden.
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Was Die Letzten ihrer Art ferner auszeichnet, ist Adams‘ Erzählperspektive. Stilistisch verwendet er die Vergangenheitsform, wovon man bei einer Sammlung von Erfahrungsberichten ausgeht. Immer wieder hatte ich Adams vor Augen, wie er eine Tasse Tee schlürfend hinter seinem Schreibtisch sitzt, die Füsse auf der Tischplatte und köstlich amüsiert seine Erlebnisse zu Papier bringt.
Auf der anderen Seite hatte ich ein starkes Gefühl von Gegenwärtigkeit, als ob ich mich direkt mit Adams und Carwardine im Dschungel, in der Savanne oder wo auch immer befand, Auge in Auge mit den wildesten Tieren, schwitzend, schnaufend und stöhnend – mitfühlend und mitleidend.
Eine besonders eingängige Mischung aus Nacherzählen und Gleichzeitigkeit, die ich so überhaupt nicht kannte.
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Und noch was:
Wer von uns Mitteleuropäern hat zum Beispiel schon mal ein Weisses Nashorn in Natura gesehen? Wohl die allerwenigsten. Wie vermittelt man dem Leser nun die Gestalt und die beeindruckende Ausstrahlung dieses Savannengiganten?
Adams‘ grösste Stärke ist es, völlig Unbekanntes (wovon es in den exotischen Lokalitäten jede Menge gibt) mit völlig Naheliegendem zu beschreiben.
Ein Weisses Nashorn sei wie ein Bagger, der in aller Seelenruhe Unkraut jätet.
Lass dieses Bild auf dich wirken …
Solche illustrativen Beispiele bringt Adams ständig. Eines besser als das andere. Ich weiss nicht, wo er seine Inspiration für solche Bilder her nimmt. Sie sind einfach nur grossartig und beeindruckend. Ich beneide ihn um seine Kreativität.
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Nun befinde ich mich in der Zwickmühle der Bewertung. Man sollte sich bekanntlich davor hüten, zu hohe Noten zu vergeben, weil man nicht mehr höher hinauf kann. Zuerst wollte ich dem Buch eine 4 geben. Das hat es mindestens verdient. Aber wieso nicht gleich eine 5?
Glaubt mir, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Die Letzten ihrer Art eines der besten Bücher ist, das ich jemals gelesen habe! Es verdient die Höchstnote!
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