Das Titelbild von Maniac ist die perfekte Widerspiegelung des Inhalts.
Es erzählt sowohl alles, als auch nichts.
Dieses Phänomen liegt über der Gesamtheit des Buches.
Maniac ist zu Anfang vielschichtig und nichtssagend. Doch je weiter man eintaucht, desto mehr setzt sich das Mosaik zusammen. Jedoch auf eine nur sehr begrenzt vorhersehbare Art und Weise. Denn wenn ich dachte, ich hätte das eine oder andere mittlerweile durchschaut, erkannte ich kurz darauf, dass ich doch noch nicht viel mehr wusste, als bei der ersten Zurhandnahme.
Der Leseanreiz des ersten Drittels des Buches bestand für mich darin herausfinden zu wollen, was die einzeln nebeneinander herlaufenden Erzählstränge gemeinsam haben.
Während des zweiten Drittels, in dem sich die Fäden nach und nach zu einem Netz sponnen und mein mentales Fragezeichen, auf dem Höhepunkt seiner Präsenz, zu einem Ausrufezeichen herabbröckelte, wollte ich einfach nur wissen wie es weitergeht. Gebannt durch die ständigen Wendungen und stetigen Überraschungen, angetrieben durch den Durst erkennen zu wollen, was sich nun letztendlich in dem fein geschmiedeten Gerüst befindet.
Als blanken Voyeurismus hingegen bezeichne ich das, was mich durch das letzte Drittel des Buches zog.
Das Beobachten des Grauens, das sich Hin- und Hergerissenfühlen zwischen dem Wunsch, das Buch aus der Hand legen und dem, es schneller lesen wollen, um einen noch tieferen Einblick zu bekommen. In meinem Fall sogar, die Überwindung einer eigenen Grenze.
Grenzen gibt es in diesem Buch so einige, die überschritten werden. Das Interessante, meiner Meinung nach, ist dabei, welche Grenzen vom Leser als solche verstanden und überwunden werden.
Es gab Momente, da spürte ich ganz klar, dass ich mich überwinden musste das Licht nicht noch ein Stückchen höher zu drehen als es schon war. Ich musste hin und wieder mein Kopfkino drosseln, welches geradezu florierte. Und ich musste vor dem Schlafengehen eine Grenze zwischen dem Buch und der Realität ziehen.
Die Charaktere in Maniac sind allesamt haarscharf umrissen, ohne dass sie groß vorgestellt werden. Man lernt sie durch ihre Handlungen kennen. Keiner der Charaktere ist gewöhnlich, keiner ist einfältig. Alle haben etwas Besonderes.
Am besten gefallen hat mir der letztendliche Bösewicht der Geschichte. Er war die ganze Zeit präsent, schlich zwischen den Seiten umher, jedoch ohne, dass ich seine Anwesenheit bewusst vernahm. Ich empfand es, als wenn im Vordergrund die Handlung lief und im Hintegrund sortierte er seine Werkzeuge.
Außerdem imponierte mir seine Genialität und sein Feingefühl. Wenn auch auf grausame Art und Weise.
Empfehlen kann ich diesen Thriller ausnahmslos jedem. Zartbesaiteten Lesern, wie ich es einer bin, um innere Grenzen auszutesten und im besten Falle zu überwinden. Leseratten, die nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen sind, aber einen wirklich sehr gut gemachen Thriller zu würdigen wissen und auch Thriller-Erfahrenen, die auf der Suche nach Stoff für ein paar fesselnde Lesestunden sind.
Maniac kann mit einem so einiges anstellen. Was genau, weiß man aber erst, wenn man es liest