Leser-Rezension zu „Lust” von Elfriede Jelinek
am 1.09.2008
Ärgerlich...
Elfriede Jelineks Roman "Lust"... eine schwierige Sache.
Die Sprache, bzw. der Erzählstil ist so wirr, dass ein wirklicher Erzählfluss schon im Keim erstickt wird. Ich bin der Meinung, dass mit dieser Verwirrung des Erzählstranges in erster Linie ein frappierender Mangel an Ideen versteckt werden soll. Dieser Roman enthält keine Entwicklungen; die Form entwickelt sich nicht, die Geschichte auch nicht. Die Entwicklung dieser Story hätte eine Erzählung von ca. zehn Seiten wahrscheinlich schon überfordert. Die derbe Sprache und die einfach dummen Metaphern für Geschlechtsteile (die zum Teil in ihrer Vulgarität ekelerregend sind); das ist literarisch gesehen dann zusätzlich nur noch ärgerlich.
Da es hier also (meiner Meinung nach) nicht um die Story geht (ich hoffe es), sondern um eine Aussage/Parabel (?), habe ich mir ständig die Frage gestellt: was will Elfriede Jelinek dem Leser mit diesem Roman sagen? Dass Frauen von Männern als Sexobjekte, bzw. als Objekte zur Befriedigung der groben, gefühllosen männlichen Lust benutzt, bzw. vergewaltigt werden? Eine Aussage, die meiner Meinung nach mehr als nur oberflächlich ist.
Aber gut: muss denn die Aussage eines Romans mit meiner Meinung übereinstimmen?
Nein.
Darf ein Roman widerlich sein? Ekelerregend?
Ja, keine Frage.
Was macht dann den Unterschied aus?
Ganz einfach; ein guter Roman (anonym und getrennt vom Autor- gut natürlich gibt es Autoren, die sich persönlich dazwischenschalten), der seine Protagonisten agieren lässt- zwingt den Leser weiterzulesen, ohne ihm seine Meinung aufzudrängen.
Ein guter Roman fesselt und hinterlässt Spuren, Betroffenheit, Freude und regt zum Nachdenken an.
"Lust" war einfach nur eine ärgerliche Qual. Ich habe mich selten so gefreut, die letzte Seite hinter mir zu haben...

