Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Gerade bin ich von einem Roadmovie, was glücklich ausgegangen ist, zurück, schon falle ich ins nächste Roadmovie hinein.
Gut oder schlecht?
Ein Medaillon hat meist zwei Seiten und nach der Sonne folgt nun der Regen.
So geht es Lene, sie ist verliebt, fliegt förmlich mit ihrem Tim durchs Leben und genießt die gemeinsame Zeit, die Liebe.
Doch dann kommt alles anders, denn Tim verunglückt tödlich.
„Ich habe Angst. Ich habe plötzlich vor so vielem Angst, dass ich glaube, ich werde verrückt, wenn das nicht bald weggeht.“
Als Leser kenne ich niemanden, selbst auf den ersten Seiten erfahre ich nicht wirklich, mit wem ich es zu tun habe. Das Buch liest sich wie von hinten nach vorn, der Tod zuerst und dann wird das Leben vor dem Tod und parallel dazu das jetzige Leben aufgeblättert. Nach und nach lerne ich Lene und Tonja kennen und drei Männer, die den beiden Frauen sehr nahe stehen. Es zieht, es schmerzt, es fließen Tränen, dennoch ist die Stärke da, mit Lene und Tonja die Trauerzeit zu durchleben. Eine Flucht zu begehen, in der gerannt wird, geschwiegen wird, der Körper nicht mehr beim Geist ist und dennoch eine Flucht, auf der alles wieder vereint werden soll.
Ein Roadmovie, in dem Angst, Verzweiflung, Selbstfindung, Wahrnehmung, Trauer, Schmerz, Verlust und eine große Bandbreite der vielschichtigsten Gefühle mitspielen.
Man sitzt dabei mal auf dem Fahrersitz, dann auf dem Beifahrersitz, hinten auf der Rückbank, im Kofferraum oder man rennt ein Stück hinter den beiden her, sieht sie von weitem kommen oder schaut zu, wohin sie fahren.
Ein langer und breiter Weg, viele Fragen auf dem Weg in ein plötzlich anderes Leben, mit verändertem Umfeld und auch ganz anders getaktetem Herz.
Leichte Wörter mit schwerem Hintergrund und viel Poesie machen die Protagonisten und deren Blickwinkel lebendig und lassen nicht mehr los.
„Ich glaube nicht, dass es irgendwann aufhört. Das mit uns war irgendwie immer.“
„Denn wenn du gehst, dann ist das immer noch so, dann geht das nicht weg, was ich immer zu dir sage und was du zu mir sagst, denn auch wenn du schon am S-Bahnhof bist oder….“
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