Rezension verfasst vor 3 Jahren
(7)
Der historische Roman "Die Zarin" von Ellen Alpsten erzählt von Aufstieg und Leben der ersten russischen Zarin, Katharina I - der Frau an der Seite von Peter dem Großen.
Der Erzählstil des Buches ist sehr feminin ausgerichtet. Vor der politischen Figur steht immer die Frau in Katharina im Mittelpunkt. Und das Leben der Frau Katharina schildert Ellen Alpsten mit großer Erzählkraft, viel Liebe zum Detail und einem aus meiner Sicht gelungenen Wechsel zwischen der Schlichtheit eines modernen Schmökers und der eher derben Sprache der Handlungszeit.
Zur Zeit der Handlung hat Versailles in Frankreich gerade seine Blüte überschritten und Peter der Große - eine zentrale Figur des Romans - orientierte sich bekanntlich sehr an westlichen Sitten und Gebräuchen. Es dürfte den Leser also kaum verwundern, dass Exzesse und sexuelle Ausschweifungen auch einen gewissen Raum in der Handlung einnehmen. Insofern kann ich die Kritik, es handle sich um einen Erotikschinken, nicht teilen. Es sind Szenen, die zum Leben am Hofe der damaligen Zeit gehören und besonders für Katharina - die ihren Aufstieg als einfache Geliebte des Zaren beginnt - spielt Sexualität natürlich zeitlebens eine große Rolle.
Der Roman reicht allerdings selten über reine Unterhaltungsliteratur hinaus. In die Erzählung sind viele Basisinformationen zum Zaarenpaar und dem Russland der damaligen Zeit - ganz besonders auch zur Entstehung von Sankt Petersburg - eingewoben. Eine wunderbare Grundlage, um mit dem historischen Russland vertraut zu werden. Unter die Oberfläche reichen die Informationen jedoch selten.
Es handelt sich um einen gut recherchierten, oberflächlich informativen, kurzweiligen und sehr unterhaltsamen Roman über eine große Frau, die einen unglaublichen Aufstieg schaffte. Insgesamt ein wunderbarer Schmöker zum Abschalten - für anspruchsvolle Zeilen aber bitte woanders suchen. ;-)
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