Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Wenn wir heute etwas über Kinderarbeit hören oder lesen, denken wir meist an Dritte-Welt-Länder. Doch bereits seit Menschengedenken gibt es Kinderarbeit - mit der Industrialisierung nahm sie im 18. und 19. Jahrhundert in Europa Ausmaße an, die für uns heute unvorstellbar zu sein scheinen. Kinder ab vier, sechs oder acht Jahren arbeiteten in dieser Zeitepoche nicht nur als Hilfskräfte und Dienstboten, sondern auch zu einem großen Teil in der Textilindustrie, in Kohlegruben und Minen, zwischen 10 und 16 Stunden täglich. Manche Arbeiten im Bergbau konnten nur von Kindern wegen ihrer geringen Körpergröße ausgeführt werden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war ein Drittel der Fabrikarbeiter in den USA zwischen sieben und zwölf Jahren alt.
Auch das "Schwabengehen" erlebte im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Als Schwabenkinder oder Hütekinder wurden die Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol, Südtirol und der Schweiz bezeichnet, die aus Armut alljährlich im Frühjahr durch die Alpen zu den Kindermärkten hauptsächlich nach Oberschwaben zogen, um dort als Arbeitskräfte für eine Saison an Bauern vermittelt zu werden.Hintergrund waren die äußerst geringen Bodenerträge in den alpinen Regionen und die damit verbundene Armut, die die Eltern dazu trieb, eines oder mehrere ihrer zahlreichen Kinder in die Fremde zu schicken. In ihrer Heimat wurden die Schwabenkinder alljährlich von der Schulpflicht befreit, und in Württemberg galt die dort seit 1836 bestehende Schulpflicht nicht für ausländische Kinder. Diese wurde erst 1921 eingeführt - und danach nahm auch das Schwabengehen rapide ab.
Von dieser Zeit nun handelt das Buch - am Schicksal des neunjährigen Kaspanaze aus dem Bregenzerwald, der auf dem Ravensburger Kindermarkt das Pech hat, an einen grausamen und brutalen Bauern zu geraten - versucht der Autor, uns diese Zeit und das Leben damals nahe zu bringen.
Ich muss sagen - den Einstieg fand ich etwas beschwerlich, dann aber fesselte mich das Buch derartig, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Der damalige Alltag der einfachen Bevölkerung, die Probleme sowohl der einen - die ihre Kinder wegschicken mussten - als auch der anderen Seite "wie überleben, wenn man sich nicht mehr als eines der billigen Kinder leisten kann" - das alles schildert der Autor wirklich sehr anschaulich. Mit Kaspanaze mitzuleiden, aber auch zu lächeln, wenn man über seine "Rache" liest, zu erfahren, dass es für ihn ganz besonders hart war, aber ein Großteil der anderen Kinder es doch gut getroffen hatte; von der harten Arbeit zu hören, die er leisten muss, sein Heimweh mitzufühlen......es hat mich bewegt, dieses Buch, auch, weil sich das alles in Gegenden abspielt, die ich gut kenne.
Bei der Kurzbeschreibung des Buches steht : Elmar Bereuter erzählt anhand eines bewegenden Einzelschicksals vom Leben jener Sklavenkinder - -das allerdings - Sklavenkinder - finde ich nun doch ziemlich unangemessen. Die Kinder wurden von ihren Familien geschickt - eben damit die Familie überleben konnte - und wie auch aus dem Buch zu entnehmen ist, haben es die meisten Kinder oft gut getroffen; sie bekamen nicht nur genug zu essen (was daheim keinesfalls der Fall war) , sondern auch den vereinbarten Lohn und darüber hinaus ab und zu sonst noch etwas zugeschickt. Manche kamen jahrelange zu den gleichen Bauern, manche wollten auch gar nicht weg wie z.B. Alois in diesem Buch. Dass es natürlich dann auch hier "schwarze Schafe" gab wie den Bauern des Kaspanaze ist unbestritten und war wohl auch kaum vermeidbar. Leben auf einem Hof war auch zu meiner Kindheitszeit immer noch ein hartes Stück Arbeit....
Die Sprache des Autors ist klar und deutlich - derb oft, aber so ist es nun mal auf dem Dorf und in der damaligen harten Zeit war es sicher noch schlimmer. Insofern hätte jegliche "Verfeinerung" etwas verfälschendes gehabt.
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