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Vor 11 Monaten
(6)Inhalt:
Jack ist jetzt fünf Jahre alt. Er wohnt schon seit seiner Geburt mit Ma in Raum. Raum hat eine Eisentür und ein Oberlicht. Außerdem sind auch seine ganzen Freunde da: Teppich, Eierschlange, Schrank und Bett. Im Fernseher hat Jack weitere Freunde, nämlich die Cartoonfiguren, aber er weiß, dass die Welt im Fernseher nicht echt ist. ‘In echt’ sind nur Ma, Jack und seine Freunde in Raum. Eines Tages, kurz nach seinem fünften Geburtstag, erklärt seine Mutter ihm jedoch, dass es sehr wohl eine echte Welt außerhalb von Raum gibt, und dass sie versuchen müssen zu fliehen.
Meinung:
“Raum” erzählt die Geschichte des fünfjährigen Jack, der zusammen mit seiner Mutter in einem kleinen Raum lebt. Als Leser wird einem schnell klar, dass Jacks Mutter, von ihm liebevoll Ma genannt, Opfer einer Entführung wurde und von da an in diesem Raum gefangen gehalten wird. Gerade mit diesem Wissen war das Buch für mich noch fesselnder, denn obwohl man als Leser dieses schreckliche Schicksal vor Augen hat, erzählt Jack von seinem eigentlich glücklichen Leben in Raum.
Verstärkt wird dieser Widerspruch noch dadurch, dass die Geschichte von Jack selbst erzählt wird. Anfangs war die Erzählweise eines Fünfjährigen ungewohnt und verwirrend, aber man findet sich als Leser schnell damit zu recht, zumal das Ganze sehr authentisch wirkt. Die Autorin baut absichtlich Gedankensprünge und Grammatikfehler ein und lässt Jack über Dinge nachdenken, die für einen Erwachsenen eigentlich klar sind. Dabei legt er die bekannte kindliche Ehrlichkeit an den Tag, die sein Schicksal noch mal schrecklicher erscheinen lassen. Gerade deshalb fesselt es den Leser ungemein, wenn Jack über sich und sein Leben erzählt. Er wohnt nämlich in Raum, zusammen mit Ma und seinen Freunden, die “in echt” sind: Bett, Schrank, Oberlicht, Eierschlange und viele andere Gegenstände, die sich in dem kleinen Raum befinden. Zudem erzählt Jack auch viel von seinen Freunden, die nicht “in echt” sind, nämlich die Cartoon-Figuren im Fernsehn. Außer ihm und Ma gibt es nur noch Old Nick der für Jack echt ist. Old Nick kommt Abends zu seiner Mutter und dann muss Jack in den Schrank und darf nicht rauskommen.
Irgendwann erfährt Jack, dass es sehr wohl eine Welt außerhalb von Raum gibt, und Ma überredet ihn zu fliehen. Vorher ist das Buch nicht wirklich spannend sondern viel mehr einfach sehr interessant, wie Jack sich und seinen Alltag wahrnimmt. Spätestens jedoch ab dem Zeitpunkt, wo er von der richtigen Welt erfährt, beginnt das Buch so spannend und mitreißend zu werden, dass ich es in einem Rutsch durchlesen musste. Ob den beiden die Flucht gelingt, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Jedoch erfärt Jack immer mehr über die Welt außerhalb von Raum und auch hier gelingt es der Autorin hervorragend die Gefühle und Gedanken des kleinen Jungen nicht zuletzt durch die einfach gehaltene Sprache dem Leser näher zu bringen. Die Welt aus den Augen eines Kindes ist eben doch noch um einiges spannender, als für Erwachsene.
Besonders “gut” fand ich auch ein Ereignis ziemlich gegen Endes des Buches, welches die Spannung nochmals deutlich erhöht hat. Worum genau es dabei geht, möchte ich wiederum nicht verraten, um keinem den Spaß an diesem Buch zu verderben.
Die Sprache ist wie schon gesagt sehr kindlich gehalten und anfangs nicht leicht zu lesen. Es gibt diverse grammatikalische Fehler und gedankliche Sprünge. Zudem redet Jack von manchen Dingen so, als wären sie echte Personen, was zusätzlich für anfängliche Verwirrung sorgt. Allerdings hat man sich als Leser sehr schnell an die Sprache gewöhnt. Ich empfand es letzlich als einen wichtigen Punkt, der das Buch noch authentischer und spannender gemacht hat. Die Autorin schafft es nämlich sehr gut die Erzählperspektive aus der Sicht eines Fünfjährigen umzusetzen.
Das Cover ist sehr schlicht gehalten, genauso wie der Titel “Raum”. Letzlich finde ich beides aber mehr als passend für diese Geschichte. Auch die Gestaltung des Schriftzugs, der den Eindruck erweckt, dass ein Kind ihn geschrieben hat, ist sehr gelungen und spiegelt den Inhalt von Jacks Zuhause gut wieder: trist, trostlos, traurig, aber doch irgendwie glücklich und bunt.
Fazit:
“Raum” ist ein sehr außergewöhnliches Buch, das ich jedem empfehlen kann. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass zwei so absolut gegensätzliche Situationen – die Gefangenschaft in einem kleinen Raum und Jacks trotzdem glücklicher Alltag – so gut dargestellt hat. Auch nachdem ich das Buch zugeklappt habe, habe ich noch lange über Jack und seine Ma nachgedacht.
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