Leser-Rezension zu „Artemis Fowl” von Eoin Colfer
am 8.10.2011
Als neuer Harry Potter im Fantasy-Bereich angekündigt, setzte sich Eoin Colfers Artemis Fowl" in Deutschland schnell in den oberen Bereichen der Bestsellerlisten fest. Für viele war ein solcher Vergleich das beste Kaufargument, bei einigen, darunter auch meiner Wenigkeit, sorgte diese Bezeichnung allerdings erstmal für Skepsis. Und die war im nachhinein durchaus berechtigt, wenn man beide Bücher auf inhaltlicher Ebene vergleicht, denn Gemeinsamkeiten lassen sich, abgesehen von der Tatsache, dass Fowl ähnlich jung ist wie Harry und der Plot in einer Fantasy-Umgebung spielt, partout nicht finden.
Dafür verblüfft Colfer, in seiner Heimat Irland seit langer Zeit erfolgreicher Kinderbuchautor, mit vielen neuen, verrückten Ideen, die frischen Wind in das Genre bringen. Da ist an erster Stelle Fowl selbst zu nennen, ein 12-jähriges kriminelles, herzloses Verbrechergenie, dem alle Mittel Recht sind, um in den Besitz des legendären Goldschatzes der Elfen zu gelangen. Diesem kühlen, fiesen Teufel in Kindergestalt Sympathie entgegenzubringen fällt anfangs schwer, wenngleich auch ihm ein gewisser Charme nicht abgeht und die Figur hinter der Verbrecherfassade im weiteren Verlauf eine Tiefe und mögliche Dramatik erahnen lässt, die viel Potenzial für die kommenden Nachfolger birgt. Aber auch die Figuren der Gegenseite, Elfen, Trolle und Kobolde, die mit den fröhlichen Märchenfiguren aus anderen Büchern nicht viel gemein haben, sondern mit hochmoderner Technik in den Kampf ziehen, wissen, in erster Linie dank Colfers Wortwitz und humoristischen Beschreibungen, zu überzeugen. Überhaupt ist Artemis Fowl" erfrischend kurzweilig, wenngleich sich der Autor hier und da natürlich auch die Zeit nimmt, geschichtliche Hintergründe näher zu erläutern.
Da Colfer besonders gegen Ende ein Action-Feuerwerk abbrennt, das mit gewaltsamen Darstellungen nicht geizt, sollten ganz junge Leser das Buch jedoch mit Vorsicht genießen.
Insgesamt ist Artemis Fowl" ein unterhaltsames, etwas kurzes Buch mit viel Witz und Ironie, das zwischen den Zeilen auch einige kritische Hiebe an die Gesellschaft verteilt und an dem nicht nur das übliche Fantasy-Publikum sein Freude haben wird.

