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Vor 3 Jahren
(21)Beim Lesen dieses Romans kaufte ich mir meine erste Flasche Calvados. Denn er fließt alle paar Seiten in entrückten Pariser Nächten. Ein Emigrantenschicksal wird aufgeblättert - erst romantisch verklärt, dann bitter und nüchtern. Ein aus dem KZ geflohener Arzt findet in einem heruntergekommenen Hotel in Paris Unterschlupf, praktiziert illegal. Seine große Liebe verendete elendig unter der Gestapo-Folter, seine neue Liebe in Paris flieht seine Armut, Depression und seine exzessive Lust auf Calvados. Dieses Buch betäubt seinen Leser, nimmt ihn für die Zeit des Lesens weg von seiner Welt. Man wird in eine alte Pariser Welt entführt, wo die letzten Reste von Freiheit vor dem Untergang zelebriert wurden von Menschen, die ahnten oder wussten, was bevorstand. Die verschrobenen Taxifahrer morgens in ihrer Stammkneipe, die zerschlissenen Hotelzimmer, wo sich noch einmal geliebt wurde, das ganze Elend des Exils, die Sehnsucht nach einem Deutschland, das zertreten wurde - all das und viel mehr spiegelt sich im Calvadosblick dieses Romans. Heute kennt man dieses Buch kaum noch, doch es erlebte Millionenauflagen, insbesondere in den USA, wo man nach 1945 nach Erklärungen für das Unfaßbare dürstete. Remarque konnte es erklären. Und auch er liebte den Calvados.
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