Leser-Rezension zu „Choral am Ende der Reise” von Erik Fosnes Hansen
am 10.01.2012
Choral am Ende der Reise
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Sieben Musiker haben einen viel versprechenden Job auf dem größten Passagierschiff der Welt ergattert. Es handelt sich um die Geiger Jason Coward, Alexander Bjeschnikow, der aus St. Petersburg stammt, und den 18jährigen Wiener David Bleiernstern, dann den Bratschisten James Reel aus Dublin, den Cellisten Georges Donner aus Paris, den Bassisten Petronius Witt aus Rom und dem Pianisten, der von allen nur„Spot“ genannt wird. Sie bilden von nun an das Bordorchester. Ihre Aufgabe besteht darin, die eleganten Passagiere der ersten Klasse musikalisch zu unterhalten.
Jeder von ihnen bringt seine eigene Lebensgeschichte mit, knüpft Hoffnungen an die neue Aufgabe, hat Zukunftspläne, will vergessen oder sich eine neue Existenz schaffen. Sie teilen den Wunsch, ihrem bisherigen Leben entfliehen zu wollen.
Sie ahnen nicht, dass die RMS Titanic zu ihrem Schicksal werden soll. Sie werden bis zum bitteren Ende für die Menschen musizieren und damit die größte Leistung ihres Lebens vollbringen.
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Der Untergang der Titanic hat mich schon lange vor dem berühmt berüchtigten Kinofilm von James Cameron interessiert, der mir nebenbei bemerkt überhaupt nicht gefallen hat. Im Gegensatz zu diesem hat sich Erik Fosnes Hansen mit Choral am Ende der Reise nicht auf die Jungfernfahrt und den Untergang des Schiffes konzentriert. Beides dient lediglich als Hintergrund, um die Biographien der Musiker auszubreiten. Demzufolge stehen hier die Charaktere im Vordergrund. So handelt Choral am Ende der Reise nicht von der Titanic, sondern von Menschen, die zufällig bei dem Untergang sterben. Da der Leser außerdem von Anfang an weiß, dass das Schiff schließlich auf einen Eisberg auflaufen wird, erhält der Roman einen dramatischen und tragischen Grundton.
Die Sprache ist nicht immer sehr gefällig und es handelt sich nicht um einen Roman, den man schnell zwischendurch lesen kann. Es bedarf schon Konzentration, alles angemessen verarbeiten zu können.
Wie immer sind manche Figuren sympathischer oder genauer gezeichnet als andere, doch allen gemein ist, dass ihre Biographien glaubhaft sind. Gerade weil der Schauplatz und die Ereignisse historisch verbürgt sind, ist man geneigt, zu glauben, dass die Bordkapelle wirklich aus diesen sieben Männern bestand. Das ist aber nicht der Fall. Erik Fosnes Hansen ist ein Kunstgriff gelungen, der sein Werk von anderen Romanen, die verschiedene Biographien darlegen, abhebt.
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Choral am Ende der Reise sei dem Leser empfohlen, der sich nicht für die Chronologie des wohl berühmtesten Schiffsunglücks interessiert, sondern für die Lebensgeschichten der Menschen, die ihn miterleben mussten. Obwohl es sich um imaginäre Menschen handelt, hätte es doch genauso sein können.

