Rezension verfasst vor 1 Jahr
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A70 Der Tunnel von Ernesto Sabato, Helga Castellanos Kategorie: Allgemein
Juan-Pablo Castel ist ein Mörder. Er hat den einzigen Menschen umgebracht, der ihm etwas bedeutete – Maria. Er liebte sie so sehr und doch hat er sie ermordet. Nun sitzt der Maler im Gefängnis und berichtet, wie es zu dem tragischen Ende kommen konnte.
Angefangen hat es damit, das Castel auf einer Vernissage eine Frau beobachtete, die wie gebannt auf eines seiner Bilder schaute. Sie schien etwas entdeckt zu haben, etwas, was all den anderen Menschen entgangen war. Und diesen Leuten entging nach Meinung des Malers viel. Er mochte die Menschen im Allgemeinen nicht, pflegte kaum Kontakte nach außen und lebte sehr eigenbrötlerisch. Jedenfalls hatte Maria dieses kleine Fensterchen auf seinem Gemälde entdeckt, das all den anderen nicht aufgefallen war.
Über ein halbes Jahr dachte Castel nun pausenlos an die junge Frau. Sie war die einzige, die ihn zu verstehen schien, die seine Kunst würdigte. Er hatte sie nicht angesprochen. Ja, warum? Geht es nicht gegen die Prinzipien, dass ein berühmter Mann eine Frau in aller Öffentlichkeit ansprach? Castel ist von Haus aus schüchtern, vielleicht hat dies auch damit zu tun, denkt er . Also überlegt er sich Formeln, wie er Maria, gesetzt dem Fall, er würde sie nochmals treffen, ansprechen könnte. Doch wäre es nicht besser, sie würde ihn ansprechen? Die Gedanken des Malers sind absurd und lustig zu lesen, doch wenn wir darüber nachdenken, dass ein schüchterner Mensch wirklich Probleme hat, eine Frau anzusprechen, so verwundert es nicht, dass er seine Einfälle bis auf die Spitze treibt.
Schließlich traf Castel Maria doch eines Tages auf der Straße und er getraute sich sogar, sie anzusprechen, sich mit ihr zu verabreden. Es dauert nicht lange und er gesteht ihr seine Liebe, die sie auch erwidert, trotz des Umstandes, dass sie verheiratet ist. Und an dieser Stelle fangen die wirklichen Probleme des Malers an – die Eifersucht beginnt an ihm zu nagen.
Ernesto Sabato hat mit der Figur des Juan-Pablo Castel einen wunderbaren Anti-Helden geschaffen. Teilweise muss man ihn für seine verrückten Einfälle lieben, an der nächsten Stelle fragt man sich, wie er auf solche Dinge kommen kann. Ein menschenscheuer, schüchterner Maler. Einmal in seinem Leben hat er Glück und bekommt seine Traumfrau Maria. Das eigentliche Problem, welches der Autor wirklich gekonnt beschreibt, ist die Eifersucht. Hinter jeder Kleinigkeit, in jedem Satz Marias sieht Castel einen Hinweis darauf, dass sie ihn betrügen könnte. Er legt sich die Sachen so zurecht, wie sie seiner Meinung nach richtig sind und steigert sich immer mehr in den Wahnsinn. „Der Tunnel“ ist kein Krimi, er schildert schonungslos und vor allem mit strenger Sachlichkeit den Werdegang eines Mörders, er gibt uns Einblick in die Seele, die Gedanken eines kranken Menschen. Sabatos schlichte Art, seinen Ich-Erzähler berichten zu lassen, ist atemberaubend.
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