Oswald T. Campbell erfährt im Rahmen einer Kontrolluntersuchung, dass seine Tage gezählt sind. Sine Lungenkrankheit hat sich drastisch verschlimmert und auf das dringliche Anraten seines Arztes entschließt er sich zu einer Ortsveränderung. Ein altes Werbeprospekt Dr. Obechecks klingt so viel versprechend, dass er kurzerhand in Lost River anruft und ein Zimmer mietet. Doch was Oswald, einem Waisenkind, das sein Leben lang an der Schattenseite stehen musste, in Lost River erleben wird, vermochte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen. Die kleine eingeschworene Gemeinschaft in Lost River nimmt ihn nicht nur mit offenen Armen in seiner Mitte auf, sondern teilt mit ihm Freud und Leid. Oswald darf zum ersten Mal in seinem Leben uneingeschränkte Sympathie und Offenheit erfahren, er bekämpft erfolgreich seine Ängste und den „Teufel Alkoholismus“, er verleiht seiner „vergessenen Liebe“ zur Malerei in vielen wunderschönen Aquarellen und Zeichnungen Ausdruck und findet letztendlich auch die Liebe. Nicht nur die Liebe zu einer ganz besonderen Frau, vielmehr auch die Liebe zu einem verstoßenen Waisenkind. Wie könnte er, Oswald, mit seiner Vorgeschichte, diesem Kind sein Herz nicht öffnen? Diesem armen Wesen all das bieten, was er in seiner Kindheit so sehr erhoffte und ihm verweigert worden war? Eine Kindheit in einem geordneten Zuhause, voller Liebe und Fürsorge, mit einer intakten Familie und voller Geborgenheit …
Die Autorin hat dieses Buch in einzelne Kapitel aufgeteilt und bereits der Einstieg weckt die Neugier auf den Protagonisten Oswald. Fannie Flagg schreibt keine langen verschachtelten Sätze, begnügt sich oft auch nur mit kurzen Äußerungen, inszeniert kleine Dialoge zwischen den Bewohnern von Lost River und erzählt auf liebevoll-charmante Weise vom Leben und Leiden einer Kleinstadt. Der bezaubernde Schreibstil rundet das Bild ab und erweckt in mir den Wunsch, sämtliche Bücher dieser Schriftstellerin zu lesen. Ganz besonders angetan hat es mir die Beschreibung der Landschaft und der Tiere in Lost River. Sobald man beim Lesen dieses Buches kurz die Augen schließt, hat man ein klares Bild vor sich – ein Bild der Ruhe, der einzigartigen Natur und der vielen verschiedenen Arten von Vögeln am Lost River; man hört das leise Plätschern des Flusses, der sich durch die Landschaft schlängelt und bemerkt eine plötzlich aufkeimende Sehnsucht, diesen Ort tatsächlich einmal zu besuchen.
Die Figuren in diesem Buch sind so liebevoll und detailliert gezeichnet, dass es unweigerlich dazu kommt, sich mit ihnen zu identifizieren. Man lebt, liebt und leidet mit den Bewohnern von Lost River– zwar in dem Bewusstsein, dass es sich um eine „heile-Welt-Geschichte“ handelt, jedoch schmälert dies keineswegs das Lesevergnügen. Fannie Flagg schildert die Sehnsüchte, die Wünsche und die kleinen Alltagssorgen der Bevölkerung und befasst sich nicht nur mit den Protagonisten Oswald, Francis und Patsy. Sie stellt uns auch viele Mitglieder der kleinen Stadt vor, um deren Wohlergehen sie sich ebenso intensiv kümmert. Man kann einfach nicht anders, als sie allesamt sympathisch zu finden. Der einzige „Bösewicht“ im Buch mutiert im Laufe der Geschichte ebenfalls zu einem ganz passablen Menschen … wohl ein kleines Detail mehr, um diesen Roman als ein idyllisches Märchen zu bezeichnen. Herzerwärmend schön!
Es handelt sich hierbei um ein Taschenbuch mit einem Cover, das sofort verzaubert. Aufgrund der detaillierten Landschaftsbeschreibungen erkennt man das Bild, das Fannie Flagg beim Schreiben vor Augen hatte, als sie die Geschichte um Lost River erfunden hat und man hofft beinahe, dass es sich hierbei um eine wahre Geschichte handeln könnte …
Fazit
Diese Autorin versteht es auf unnachahmliche Weise, so viel Charme, Lebensfreude und Begeisterung in diesen Roman zu legen, dass man ihn schlicht und einfach lieben muss. Dieses Buch hat mich zutiefst berührt. Ich möchte „mehr“ von Fannie Flagg – und vor allen Dingen „mehr“ von Lost River erfahren. Ich möchte eintauchen in diese wunderschöne, idyllische Welt in Alabama und mich verzaubern lassen, der Realität und dem Alltag eine Weile entfliehen und meine Seele baumeln lassen, dort am Ufer des Lost River in Baldwin County …. 5 Sterne und die dringliche Empfehlung, dieses Buch zu lesen!