Von Iris H. haben wir folgende Rezension erhalten:
Anfang Juni des Jahres 1929 beginnt die Geschichte mit der Nachricht über die Eröffnung eines Cafés in einer kleinen Südstaaten-Stadt in Alabama/USA.
Die Rahmenstory: Fannie Flagg entführt uns Leser mit der zufälligen Begegnung und sich sanft entwickelnden Freundschaft zwischen Evelyn Couch, mitten in den Wechseljahren, mit sich und der Welt unzufrieden und daher zur Fettleibigkeit neigend und der 86-jährigen, geistig fitten und pfiffigen Ninny Threadgoode, die sich in einem Pflegeheim langweilt, durch die Geschichten, die Ninny Evelyn erzählt in eine kleine Siedlung namens Whistle Stop, im Wortsinn ein Ort, an dem die Eisenbahn nur bei Bedarf – on a whistle – kurz anhält.
Das Leben, von dem Ninny sehr plastisch erzählt, sieht auf den ersten Blick aus wie in vielen Kleinstädten: jeder kennt jeden, Schwarze und Weisse leben, fein säuberlich räumlich getrennt und doch untrennbar miteinander verbunden, recht friedlich zusammen.
Das neu eröffnete Whistle Stop Café entwickelt sich bald zu einem Mittelpunkt des kleinstädtischen Lebens. Es wird von Idgie Threadgoode, schon in ihrer Jugend ein Wildfang und Freigeist und ihrer Lebenspartnerin Ruth Jamison geführt, die Küche managen 2 farbigen Frauen, Sipsey und Onzell; der Chef des Barbecues und „Mädchen“ für alles, wenn man einen starken Mann benötigt, ist Big George, Onzells Ehegatte.
Die Geschichten, Informationen und Anekdoten, die Ninny ihrer Freundin Evelyn zu erzählen weiß und mit denen es ihr gelingt, der jüngeren Frau wieder Lebensmut, Selbstbewusstsein und die Courage, ihr Leben von Grund auf zu ändern, zu verschaffen, sind so vollgepackt, miteinander verwoben und interessant und spannend, wie das Leben selbst. Im Whistle Stop Café laufen alle Fäden der Handlung zusammen. Es kommt einfach alles vor: jede Form menschlichen Zusammenlebens, kleine und große Ereignisse, ja, sogar ein Mord. Mehr zu verraten, würde allerdings zuviel vorwegnehmen. Das Buch muß man einfach selbst gelesen, den Film selbst gesehen haben – am besten noch beides – um in den vollen Genuß von Fannie Flaggs Meisterwerk zu gelangen.
Nur ein Beispiel noch von Fannie Flaggs Erzählkunst:
Die Poststation, von Dot Weems geführt, ist gleichzeitig das Nachrichtenzentrum des Ortes, deren Artikel im Wochenblatt des Ortes die gesamte Geschichte mit oft skurrilen Neuigkeiten aus dem Kleinstadtleben würzen. Wobei ihre Artikel von der Bitte an alle Mitbewohner von Whistle Stop, die Katze einer Nachbarin nicht mehr zu füttern, da sie sonst zu fett werde bis zu national und international wichtigen Nachrichten wie der Wirtschaftskrise und dem Beginn des zweiten Weltkrieges reichen. Gleichzeitig sind diese Artikel, mit denen Fannie Flagg ihr Buch durchsetzt hat, aber auch wichtige Hintergrundinfos für den Leser und lockern den Roman zusätzlich auf das Angenehmste auf und man schließt auch Dot Weems mit ihrer offensichtlichen Herzenswärme und ihrem unvergleichlichen Humor sehr schnell ins eigene Herz.
Empfehlenswert für alle, die das Leben geniessen, wie es tatsächlich ist oder sein sollte…und natürlich für diejenigen, die, verdammt noch mal endlich wissen wollen, wie das Spezialgericht des Whistle Stop Cafés, gebratene grüne Tomaten, zubereitet und genossen werden.