Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Die Französin Julie hatte eine extrem schwere Kindheit. Um daraus zu entfliehen stürzte sie sich in eine lieblose Ehe mit einem Schweizer Unternehmer. Ihre furchtbare Vergangenheit hat Narben auf ihrer Seele hinterlassen und verfolgt sie auf Schritt und Tritt. Ihre Fähigkeit zu lieben ist fast völlig abgetötet. Julies Freundin überredet sie irgendwann, für zwei Wochen mit nach Japan zu reisen. Julie stimmt zu und kommt mit. Die Begegnung mit der fremden Kultur wird für sie zu einer Offenbarung. Sie saugt alles auf und ist mehr als fasziniert. Das Land öffnet sie wieder für Gefühle, die sie längst für abgestorben hielt.
Eines Abends besucht sie ein japanisches Theater und begegnet dort dem Künstler und Regisseur Ken. Ken ist Trommler (er spielt die große Trommel in dem Ensemble, unten habe ich ein you-tube Video zu Yamato verlinkt, das einen Eindruck verschafft um was für ein Ensemble es sich bei Kens Theatertruppe handelt), Heiler, Schamane und Julie bewegt etwas in ihm, das er tief in sich vergraben hat. Denn auch er trägt die Wunden seiner nicht gerade glücklichen Kindheit mit sich und für beide beginnt eine Zeit der Heilung und des sich Öffnens. Der Leser begleitet die beiden dabei auf intimste Weise. Man ist Zeuge wie sie sich psychisch und physisch einander öffnen, begegnen und versuchen ihre jew. Vergangenheit zu bewältigen und zu verarbeiten. Es entfaltet sich eine Geschichte über zwei Seelenpartner, die große Liebe, Heilung, Sinnlichkeit und Spiritualität.
Nebenbei gibt es einen Einblick in die japanische Kultur, den ich sehr spannend und nicht zu überladen fand. de Cesco ist mit einem Japaner verheiratet, von daher denke ich hat sie das Aufeinanderprallen der westlichen und der östlichen Kulturen innerhalb einer Beziehung sicherlich aus dem perfekten Blickwinkel beschrieben.
Auf über 750 Seiten begleitet man Julie und Ken bei ihrer Geschichte. Und die geht unter die Haut.
Vielen Liro-Lesern ist das Buch damals durch die Lappen gegangen - was ich superschade finde. Es wurde nicht als Liebesroman vermarktet und die "normalen Romanleser"-Reaktionen waren entsprechend zwigespalten. Silbermuschel war mMn seiner Zeit voraus. Heute wäre es vermutlich ein weiterer paranormaler Liebesroman, oder eher gesagt ein Liebesroman mit paranormalem und mystischem Touch. Vielleicht traute man Liro-Lesern nicht zu ein Buch zu mögen, zu verkraften oder zu akzeptieren, in dem ua. auch der Atombombenabwurf auf Hiroshima ein Thema ist. Das Buch greift Thematiken auf, die nicht trivial sind, hat einen sehr eindringlichen Stil, eine blumige, schöne und ehrliche Sprache aber auch viele erotische Szenen und obendrein noch einen paranormalen Touch. Ich glaube die Leute wussten nicht so recht wo sie es hinstecken sollten. Anscheinend teilt man einfach gerne was in Schubladen ein und lässt sich ungern überraschen. ;) Wie dem auch sei, Silbermuschel saß damals etwas zwischen den Genre-Stühlen, aber ich bin der Ansicht, die moderne Leserschaft von Liebesromanen wüsste das Buch heute sehr zu schätzen.
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