Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts.
Monsieur Lambert ist Wildhüter bei dem Baron de l’ Aubépine des Perrières. Dessen Schloss befindet sich in der Normandie. Lambert besitzt eine herrschaftliche Schar von Jagdhunden, die ihm alles bedeuten.
Im politischen Aufruhr der Revolution um 1848 hat sich der junge Baron, Nachfahre seines strengen Vaters, als Wirrkopf erwiesen. Er preist die Republik, verurteilt die Adligen, lässt aber seine ihm gebliebenen einzigen Diener, den Wildhüter Lambert mit seinen beiden Kindern und seiner Frau, hungern. Er denkt nicht an den praktischen Alltag, sondern lebt ein ungewöhnliches und ungebärdiges Leben.
Schon beim Einstieg in die Geschichte fühlt man sich in eine düstere Epoche zurück versetzt. Die Ordnung der Welt war aus den Fugen geraten. Das dunkle Schloss, die Trauer, die der Hausherr ausstrahlt, die vergangene Pracht und Herrlichkeit des Landadels war langsam einem Abgesang auf die alte Zeit gewichen. Die Familie des Wildhüters ist den wechselnden Launen eines Hausherrn ausgesetzt, die alle Beteiligten verunsichern. Auf was muss man sich einstellen?
Was will der junge Herr, der nach Jahren des Zerwürfnisses erst mit dem Tod des Alten auf das Schloss zurückgekehrt ist?
Kann man sich vorstellen, dass Dienerschaft wie Herrschaft im Zusammenleben Regeln brauchen, die, einmal außer Kraft gesetzt, das Leben unwägbar machen?
Gut kann man sich in die Atmosphäre des umstürzlerischen Haushalts hinein versetzen. Die Ratlosigkeit der einfachen Waldhüterfamilie, die eine Ordnung sucht und braucht, und der lebensferne und unpraktische junge Baron sind Gegenpole, die nicht zusammen passen. Zugleich gehen die beiden Antipoden eine betrübliche Bindung auf Gedeih und Verderb ein.
Mehr und mehr wird man in eine skurrile Geschichte versetzt, die zwischen Irrwitz und Rebellion, Perversion und Angst schwankt. Der Wildhüter Lambert erweist sich als Bewahrer der Tradition und der alten Werte, Baron de l’Aubépine überschlägt sich im Taumel aus Verrücktheit und Überspanntheit. Die Familie des Wildhüters beobachtet sein Verhalten ängstlich und besorgt.
Der Baron schreibt unentwegt Briefe an den im Exil weilenden Victor Hugo und erwartet krankhaft die Antworten des Dichters. Er jagt Prostituierte nackt durch die nächtlich verdunkelten Flure des Schlosses und nähert sich unbotmäßig der Tochter von Lambert, Magdeleine. Perverse Tätlichkeiten werden an unleugbaren Zeichen erahnt. Wird Magdeleine womöglich in den Sog des Untergangs hineingezogen werden?
Herr und Knecht wechseln die Rollen in regelmäßigem Turnus; einmal biedert sich der Baron kameradschaftlich an, um dann wieder über die verlassene Schar seiner Bediensteten zu herrschen. Lambert verweigert dem Baron den Gehorsam, wenn es ihm zu bunt wird. Er appelliert an die Vernunft.
Das Wechselspiel eskaliert, als der Baron sichtbare Anzeichen von Wahnsinn zeigt. Gehorsam und Verweigerung funktionieren nicht mehr. In einem furiosen Finale folgt das tragische Ende.
Der Autor zeigt eine aus den Fugen geratene Welt. Die Revolutionäre und die um ihre Macht kämpfende Monarchie verursachen unruhige Zeiten. Sich gegenseitig bekämpfende und ideologische verbissene Bürger und der Adel liefern sich Untergansszenarien, die den gewaltigen Umbruchszeiten Rechnung tragen. Unterdrückung und Gewalt beherrschen das Klima des Landes. Eine beklemmende Atmosphäre im Haus des Barons, dem die Grundlage der bisherigen Existenz entzogen wird, und die abhängige Dienerschaft bilden eine von überbordenden Gefühlen durchsetzte Szenerie. Der Erzählstil fängt genau den Konflikt einer sich zersetzenden Gesellschaft ein.
Die Geschichte ist dramatisch, atmosphärisch klar und trifft gekonnt den damaligen Zeitgeist. François Vallejo ist mit diesem Roman eine treffende historische Zeitstudie geglückt.