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Alle anzeigenDieKirsche
Vor 1 Jahr
(3)Zunächst einmal fällt die Aufmachung des Buches ins Auge. Der schwarze Buchschnitt passt gut zu der düsteren Thematik. Auch die einzelnen Seite haben durch die schwarzen Schnörkel am Rand eine gute Wirkung. Leider lässt sich das Buch kaum ohne Knicke im Buchrücken lesen. Diese fallen aber auch so gut wie gar nicht auf - also alles ok.
Das Buch selber ist in fünf Hauptteile untergliedert, welche durch kurze Kapitel gebildet werden. Jedem Kapitel steht ein ausgewähltes und immer passendes Zitat voran. Das gesamte Buch lässt sich unglaublich flüssig lesen.
Schreibstil und Thematik von Retrum fand ich super. Die Geschichte ist so flüssig geschrieben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Insbesondere Leser, die Wert auf ausgearbeitete Charaktere legen, werden hier fündig. Christians Gefühle und Innenwelt werden sehr genau dargestellt. Auch die anderen Charaktere bleiben dem Leser bildhaft im Gedächtnis.
Die Geschichte startet langsam, doch die bildhafte Sprache macht das Lesen doch sehr angenehm. Immer wieder werden Autoren und Philosophen zitiert und die Handlung von Songtexten untermalt. Das muss man natürlich mögen, aber es verleiht dem Roman eine ganz besondere Atmosphäre und unterstreicht Christians eher zurückgezogenen, nachdenklichen Charakter sehr gut. So kann man sich auch, wenn man selber eher Abstand davon nimmt, auf Friedhöfen Zeit zu verbringen, in diesen einsamen Jugendlichen hineinversetzen.
Die Einordnung in die Kategorie Thriller ist etwas irreführend. Die erste Hälfte des Buches ist eher ruhig. Es geht hauptsächlich darum, wie Christian ein Teil der Gruppe Retrum wird. Man fragt sich ab und an schon, wann wirklich mal etwas passiert. Dem großartigen Schreibstil ist hierbei jedoch geschuldet, dass einen nicht langweilig wird, auch wenn nichts direkt Handlungstragendes geschieht. In der zweiten Hälfte wird es dann doch spannender. Die gruselige Atmosphäre bleibt nicht auf die Friedhofspassagen beschränkt, sondern scheinbar dringen die Geister der Toten auch in Christians Alltag ein.
Bis hierhin hätte ich dem Buch definitiv volle fünf Punkte gegeben. Das Ende sackt dann leider deutlich ab. Was immer schlecht ist, ist ein Ende, welches vorhersehbar ist. Das ist dieses nicht komplett, doch einige Punkte waren mir relativ schnell klar. Die Auflösung war dann doch wenig verworren und etwas mehr Undurchsichtigkeit wäre sicher von Vorteil gewesen.
Man kann erahnen, wie es im zweiten Teil der Reihe wohl weitergeht und ich bin aufgrund des tollen Schreibstils überzeugt, dass ich auch die Fortsetzung lesen werde.
FAZIT:
Im Großen und Ganzen bin ich von diesem atmosphärisch dichten und packenden Roman überzeugt. Einzig das Ende ist nicht besonders spektakulär und bleibt hinter den gut ausgearbeiteten Charakteren und dem Plot zurück.
Retrum lässt sich übrigens auch als Stand-Alone lesen, falls man keine Lust auf noch eine Reihe hat.
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