Der dritte Teil der Wüstenplanet-Saga spielt neun Jahre nach "Der Herr des Wüstenplaneten". Der blinde Paul Muad'dib ist in die Wüste ausgezogen, sein Schicksal ist nach wie vor unbekannt. Unter der Aufsicht der imperialen Regentin Alia wachsen die Zwillinge Ghanima und Leto zu den gefährlichsten Geschöpfen des Imperiums heran. Mit großer Macht kommen auch viele Neider, und von allen Seiten, vor allem vom ehemaligen Regentenhaus Corinno müssen die Atreides mit Intrigen und Angriffen auf ihren Thron rechnen. Sogar aus den eigenen Reihen. Zu allem Überfluß kommt auch noch ein Prediger aus der Wüste, der die Ureinwohner des Wüstenplaneten in Aufruhr bringt.
Frank Herbert bleibt bei seiner bewährten Formel, versteckt Pläne in Plänen, positioniert seine Schachfiguren auf dem großen, interstellaren Spielbrett und schafft mit "Die Kinder des Wüstenplaneten" vielleicht einen der stärksten Episoden der Saga. Jede einzelne Person in der Geschichte ist unglaublich detailliert charakterisiert und kommt ohne grobe Schwarz-Weiß-Malerei aus. Die Helden der Vorgängerbände fallen, zeigen ihre dunklen Seiten, und man sympathisiert mit den Gegenspielern, die man eigentlich hassen gelernt hat. Hier stechen besonders die Corinno, vor allem Prinz Farad'n, und Lady Jessica hervor. Gerade letztere gehörte in "Der Wüstenplanet" zu meinen Lieblingscharakteren und darf sich hier mal sowohl von der durchtriebenen als auch von der fürsorglichen Seite zeigen.
Gekonnt zeigt Frank Herbert schließlich, wie man die verschiedenen Handlungsstränge am Ende gekonnt zusammenführen kann und ein großes, episches Ganzes erscheint. Auf dem Weg dorthin gibt es wieder etliche Dialoge, viel Kultur und Hintergrund zum Universum und sogar actionreiche Szenen, die der politischen Handlung etwas Pepp verleihen. Letos Odyssee in den Süden gehört hier zu den herausragenden Handlungsfäden.
Auch hat der dritte Teil etwas Abschließendes. Das Ende bleibt wie erwartet offen, man merkt aber dass nun die Geschichte um das alte Imperium und das Haus Atreides abgeschlossen ist. Allerdings setzt Frank Herbert auch den Grundstein für neue Mythen und Legenden, und bei dem Ausblick darauf, was kommen wird (den man schon ansatzweise in den fiktiven Zitaten zu Beginn jedes Kapitel bekommt -- übrigens dieses Mal sehr genial und im großen Kontext bestechend, wie so ein scheinbar unzusammenhängender Ausschnitt perfekt die folgenden Szenen beschreibt) merkt man, dass die weitere Story ganz andere Formen annehmen wird.
Zum Hörbuch gibt es nicht viel Neues zu sagen: Die Aufmachung ist top, Simon Jäger als Sprecher perfekt und die Titelmelodie hat mir trotz all ihrer Fahrstuhltauglichkeit schon richtiggehend gefehlt! Einzig und allein Marianne Rosenberg ist mir in diesem Hörbuch zum ersten Mal negativ aufgefallen. Ihre Darbietung der einleitenden Zitate ist trotz der Prosa zu versartig. Jedes Komma und jeder Punkt wird betont, und stellenweise frage ich mich nach einem Satz, was um alles in der Welt ich da jetzt vermittelt bekommen hab. Doch das ist Erbsenzählerei. Fest steht, dass die Wüstenplanet-Reihe von Lübbe Audio nach wie vor eine der edelsten Hörbuchproduktionen auf dem deutschen Markt ist. Und Marianne Rosenberg kann noch bei drei weiteren Gelegenheiten überzeugen.