Schätzing zählt für mich zu den am meisten überschätzten Autoren.
In diesem Werk finden wir uns in Köln, wo ein Gipfeltreffen nach dem Ende des Kosovokrieges stattfindet. Schröder, Chirac, Clinton werden kommen und eben auf diesen letzten wird ein Anschlag geplant.
Der Präsident hat keine Chance, die Terroristen haben alles zu gut geplant, seine Bewacher ahnen nichts, er ist dem Tode geweiht. Doch Rettung naht in strahlender Gestalt des Physikers Liam O'Conner. Sehen wir uns diese Hauptfigur des Buches etwas näher an: Liam ist nicht nur Physiker, er schreibt auch Bücher, die sich blendend verkaufen, was ihm einen Vorwand gibt, in Deutschland eine Lesereise zu veranstalten. Dass er perfekt Deutsch spricht, braucht kaum erwähnt zu werden. Weiterhin sieht er gut aus. Gut? Er ist der "am besten aussehende Mann Irlands". Fast exakt diese Formulierung wurde im Buch mehrfach verwendet. Da hätte ich es aus der Hand legen sollen, das konnte nichts werden. Der irische Schönling ist auch noch gebildet, charmant, selbstbewusst und ein begnadeter Wissenschaftler. Für den Nobelpreis nominiert. Warum nur nominiert? Er sollte ihn sofort bekommen! Und nicht nur einmal, am besten ein Nobelpreis-Abo, allein das würde ihm gerecht werden.
Doch Liam hat auch seine Fehler, er säuft und ist arrogant. Doch nein - seine Arroganz ist tatsächlich nur Spielerei, und selbst wenn er arrogant wäre, wer könnte es einem solchen Übermenschen verdenken? Auch Alkoholkonsum ist nur verständlich, konfrontiert mit der Mittelmäßigkeit seiner Mitmenschen...
Der vom Schicksal bevorzugte Physiker hat auch noch großes Glück: zufällig trifft er einen alten Bekannten, von dessen Beziehungen zur IRA er weiß, zufällig ist er so ziemlich der einzige Mensch in Europa, der die High-Tech-Waffe der Attentäter erkennen und entschärfen kann...
Eine unglaubwürdige Hauptfigur, ein Plot, der von Zufällen lebt. Schon das allein kann einem Buch das Genick brechen. Doch es kommt noch schlimmer: seitenweise habe ich überblättert, da die Hälfte des Buches voll von Dingen war, die ich nicht lesen wollte. Ich will nichts wissen vom Liebesgeflüster erwachsener Menschen, die sich wie Teenager verhalten (denn wer zweifelte daran, dass die weibliche Hauptfigur Kika, deren einziges Merkmal ihre immense Körpergröße zu sein scheint, Liam sofort verfallen wird?), ich will nicht die politischen Meinungen des Autors aus dem Mund verschiedener Figuren hören, weder über Krieg, Medien, Amerika oder sonstwas. Und schon gar nicht will ich innere Monologe, die die Handlung nicht im geringsten fördern.
Ach ja die Handlung. Neben den bereits bemerkten Schwächen konnte auch schlicht keine Spannung aufkommen. Bis zur Hälfte des Buches geschah kaum etwas. Danach war nicht eine Sekunde unklar, dass das Attentat scheitern würde. Und ob die Täter gefasst würden oder nicht, war mir reichlich egal.
Stilistisch konnte das Buch auch nicht überzeugen. Wie bereits im Schwarm erzeugt der Autor die wenige Spannung allein dadurch, dass er dem Leser ganz unverblümt Informationen vorenthält. Beispiel: "A trug B und C ihren Plan vor, wie sie sich aus auswegsloser Situation XY retten könnten. Sie kamen überein, dass es klappen könnte und machten sich an die Arbeit."
Auf der Rückseite des Buches wird es mit Werken von Ken Follet verglichen. Das hätte mich warnen sollen. Immerhin stimmt die Aussage, denn hier wie dort sind die Bösen böse, die Guten gut und dazwischen nichts, der Held heiratet die Heldin und nichts kommt überraschend.