Ich habe es zu Ende gelesen! Das mußte mal gesagt werden.
Der erste Satz
I want to wake up in a city that never sleeps – der gute alte Frankieboy.
Inhalt
Aufgrund seines enormen Umfangs ist dieses Buch … mehrere Bücher, die sich nur zwischen denselben Buchdeckeln befinden…
Inhalt kurz: Der Krimi
Owen Jericho ermittelt auf Wunsch des verzweifelten Chen Honbing den Verbleib von dessen Tochter Yoyo, einer chinesischen Dissidentin. Die ist untergetaucht, weil sie über hochgeheime Pläne gestolpert ist, die neue und nicht länger auf Öl basierende Weltwirtschaft mit ein paar geschickt plazierten Mini-Atombomben zu erledigen…
Inhalt kurz: Der SF-Thriller
Ein paar reiche… wirklich reiche Leute fliegen zum Mond, um sich dort ein neues Super-Duper-Hotel anzuschauen. Dabei entpuppt sich einer von ihnen als … Terrorist (Ta-Daaaa!), der Böses mit der Mini-Atombombe vorhat. Nach vielen erfolglosen Versuchen, die Bösen… äh… das Böse… aufzuhalten, gelingt es am Ende nur ganz knapp…
Inhalt kurz: Der Entwicklungsroman
Owen ist ein gebeutelter Charakter, der niemanden an sich heranläßt und nur ganz langsam sich selbst zugibt, daß er etwas für Yoyo empfindet…
Yoyo ist eine mit allen Wassern gewaschene und arg gebeutelte Internet-Dissidentin, die niemanden an sich heranläßt und nur ganz langsam sich selbst zugibt, daß sie etwas für Owen empfindet…
Chen Honbing ist ein gebeutelter Charakter, der niemanden an sich heranläßt und nur ganz langsam sich selbst zugibt, wie viel ihm an Yoyo liegt…
Inhalt kurz: Der Psychothriller
Die Tochter des reichsten Mannes der Welt hat ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl… sie denkt, sie sei Scheiße. Wo doch ihr Vater so überaus toll ist. Sie baut ein Super-Duper-Hotel auf dem Mond und leidet panische Angst, es versagt und alle müssen sterben… bis das Hotel tatsächlich zur Todesfalle wird und sie vollends durchdreht…
Inhalt kurz: Die Wikipedia
Jedesmal, wenn Schätzing neue Elemente einführt, werden die ausgiebigst erklärt… Die Geschichte von Äquatorialguinea zum Beispiel… und was Vakuum ist… die Praktiken chinesischer Kinderschänder… die Details der lunaren Topografie… holografische Datenbrillen… (in der Wikipedia kann man sich einen zufällig ausgesuchten Artikel anzeigen lassen: Vielleicht schreibt man heute so Bücher?!)
Fazit
Manchmal ist weniger… mehr. Frank Schätzing führt unglaublich viele Personen ein… es gibt sogar ein Personenverzeichnis hinten in dem Wälzer. Und wenn man sich den Spaß machen will, dann kann man sie nach und nach darin abstreichen. Schätzing murkst seine Figuren im Lauf der sich ständig überschlagenden Handlung auf dem Mond nämlich fast alle ab….
Damit dem Leser das nahegeht, werden all die Leute zunächst aufgebaut… allerdings nicht soweit, daß sie wirklich interessant werden. Die meisten bleiben schablonenhafte Pappfiguren…. Der russische Oligarch, den nur Geld interessiert und dem es egal ist, mit wem seine zu Dekorationszwecken geheiratete Frau ins Bett geht… Der psychotische Killer, der wirklich alles überlebt und sehr an einen gewissen Albino-Mönch bei Dan Brown erinnert… Die US-TV-Talkshow-Dame, die einfach nur Oprah Winfrey ist… Die Albino-Frau… Die dumme reiche Blondine, die ihren Brüsten Namen gibt… alles Redshirts, Kanonenfutter…
Alle Bewegungen der handelnden Figuren werden ausgiebig beschrieben… es wimmelt von Flugzeug/Auto/Motorradbe- und aussteigungen, geöffneten Türen und Beschreibungen von tausenderlei Innenräumen…. halt… ist das vielleicht schon das Drehbuch für den Film?
Die SF-Elemente – der Orbitalaufzug, das Helium-3, die Datenbrillen – werden übrigens genauso erklärt wie alles andere auch… das macht die moderne SF eigentlich schon seit den frühen 70ern nicht mehr…
Gesamteindruck
Hin- und hergerissen zwischen den vielen verschiedenen Büchern, die Frank Schätzing hier zusammengesperrt hat, kann sich “Limit” logischerweise nie entscheiden, was es sein will… Einen halben Stern gibt es für den Wissenszuwachs, den man unweigerlich mitkriegt… den zweiten für die wirklich spannenden Stellen zwischen all den Szenen, die man hätte streichen sollen…