Leser-Rezension zu „Der Prozess” von Franz Kafka
am 16.03.2010
Dieser "Roman" von Kafka ist eines seiner Werke, die postum veröffentlicht wurden. Typisch für Kafka ist die düstere Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht und die für eine gewisse Beklemmung sorgt...
Josef K. wird an seinem 30. Geburtstag ohne Nennung einer Anklage verhaftet und in einen Prozess verwickelt, der absurd und bar jeder Realität ist. "K.", wie der Protagonist bis auf ganz wenige Ausnahmen bezeichnet wird, versucht, in den Prozess einzugreifen, ihn zu beeinflussen und das Gericht von seiner Unschuld zu überzeugen, ohne selbst zu wissen, wessen Vergehen er überhaupt angeklagt wird... Obwohl ihm klar wird, dass es bei diesem Gericht keine Freisprache geben kann, "kämpft" er weiter, sein Privatleben, seine Karriere, wird komplett von diesem Verfahren vereinnahmt, das ihm fast keinen Raum mehr für andere Gedanken lässt... Und trotzdem bleibt das Gesetz, nach dem dieses Verfahren verhandelt wird, für ihn weiterhin undurchschaubar, endet mit dem unvermeidbaren Urteil...
Dieses Werk von Kafka ist nüchtern geschrieben, der Leser bleibt Zuschauer des Kampfes von Josef K. - wobei ich mir die Frage stelle, ob K. evtl. für "Kafka" stehen könnte... Nicht nur K., sondern auch der Leser bleibt beabsichtigterweise im Unklaren über den Grund der Anklage. So konnte ich gut nachempfinden, was in K. wohl vorgehen musste, der sich nun einem Prozess ausgeliefert sieht, ohne eine begründete Verteidigung anbringen zu können. Das Ende ist überraschend und brutal, auch wenn die Zeichen bereits darauf hindeuteten.
Ein klassisches und sehr beeindruckendes Werk !

