Rezension verfasst vor 2 Monaten
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„Man kann niemanden etwas lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.“ (Galileo Galilei )
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So oder so ähnlich würde ich den Arbeitsalltag von Frau Freitag beschreiben, denn die pädagogischen und zugleich fast freundschaftlichen Diskussionen über die Berufswünsche ihrer Schüler, die meist in einem Desaster enden (Antwort: „Ich heirate einen reichen Mann und bekommen viele Kinder.“), zeigen deutlich die Perspektivlosigkeit der künftigen Arbeitnehmer und demonstrieren, dass Wissen nicht alles ist und ein Lehrer auch eine Art Lebensberater sein muss. Leider vergessen ihre Samiras, Esras & Mohamads mit dem Klingeln der Schulglocke die Ratschläge und alles bleibt beim Alten.
Ein oft angesprochenes Problem in dem Roman ist, dass die Jungen und Mädchen von zu Hause mit ihren arbeitslosen Eltern eher schlechte Vorbilder in beruflicher Hinsicht haben, doch zahlreiche (gut gemeinte) Ansprachen im Unterricht zu der „miesen“ Zukunft der baldigen Hartz 4 Empfänger schließen damit, dass die Lehrerin in den selben Slang verfällt – färbt das etwa ab??
Ein Lehrer hat es bestimmt nicht leicht, doch muss man sich dieses falsche deutsch-türkische Sprachgemisch auch noch angewöhnen?? Durch viele inhaltliche Wiederholungen war ich ohnehin schon genervt, da war das der sogenannte Tropfen auf dem heißen Stein und fördert zwar den Zusammenhalt zwischen der Lehrkraft und den Schutzbefohlenen, hilft aber „auf keinsten“.
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Frau Freitag ist trotz aller Widrigkeiten leidenschaftliche Klassenlehrerin an einer Gesamtschule mit überproportionalen Anteil an Schülern mit Migratioshintergrund und lässt die Leser circa 1 ½ Jahre an ihrem täglichen Kampf mit dem Bildungssystem teilhaben. Ihre größte Sorgen sind die nächsten Ferien, denn ohne den Stress und die lebhaften Pubertierenden langweilt sie sich.
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Die Hälfte des Klasse ist kurz vor den Zensurenkonferenzen versetzungsgefährdet und sammelt Ausfälle (Fächer mit der Note 5 oder 6) wie andere Briefmarken, doch zur Belohnung gibt es von Frau Freitag einen viel umjubelten Ausflug in den Heidepark Soltau. Diese und andere Entscheidungen sind meiner Meinung nach eher kontraproduktiv und bei diversen Gesprächen mit den Kollegen wird schnell klar, dass jene mit der Truppe diese Abenteuer ebenfalls nicht wagen würden.
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Ich kann wirklich nicht sagen, was dieses Buch bezwecken wollte, doch über Aussagen, dass die Vorbereitung einer Englisch-Stunde unnütz seien, weil entweder sowieso niemand anwesend ist, oder die Schüler eh nicht aufpassen, geschweige denn Material mitgebracht haben, kann ich nicht lachen! Zu oft begegnen mir Jugendliche die nicht mal annähernd in der Lage sind einen grammatikalisch richtigen Satz zu äußern, da finde ich ein Buch, dass diese Missstände noch veralbert, unpassend. Die Autorin wird mit ziemlicher Sicherheit die ungeschminkte Wahrheit aus vielen Klassenzimmer der Großstädte beschreiben, doch die Aussicht, dass diese Dauerschwänzer später von der Stütze leben werden und den Sozialstaat in keiner Weise stützen, machte mich beim Lesen teils traurig und teils wütend.
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Fragen wie „Ist man mit einem Deutschen Pass trotzdem ein Ausländer?“ oder „Sollte Schulschwänzern das Kindergeld gekürzt werden?“ habe ich mit großen Interesse gelesen, leider gab es zu wenig von diesen ernsthaften Passagen und so wartete das nächste Kapitel schon wieder mit Klaumauk und vollkommener Ahnungslosigkeit der Schüler auf uns (Die Berliner Mauer wurde von Hitler erbaut).
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Einzig die kurzen Kapitel kann ich positiv hervorheben, denn man kann die Geschichten prima portionieren! Die Anekdoten wirken auch sehr authentisch und ich konnte mir viele Wortwechsel lebhaft vorstellen. Dieses Thema gehört für mich mittlerweile aber eindeutig in die Kategorie „Drama“. Zweckmäßigen Lösungsvorschlägen zur allgemeinen Erleichterung, damit es mit uns nicht nur bergab geht, sondern ein Lichtblick bleibt, hätte ich lieber gelesen. ;-)
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Würde ich mir Frau Freitag als Lehrerin für meine Kinder wünschen? Ich weiß es nicht, denn zu oft wirkt sie überfordert und hält sich lieber mit belanglosen Streitereien auf, als sich durchzusetzen und ein gutes Vorbild zu sein. Kein Mensch ist perfekt und ihre Schwächen macht sie mit einem großen Herz für alle Kulturen der Welt vereint in einem Klassenraum wett. Nichtsdestotrotz verbuche ich selbst diesen Kauf als Flop - bewundere aber die Autorin für ihr Durchhaltevermögen und ihre Beteuerungen den schönsten Job der Welt zu haben. :-) Für ambitionierte Lehramtsstudentin ist „Chill mal, Frau Freitag“ bestimmt ein lustiger Gag!
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