Rezension verfasst vor 1 Jahr
(10)
Vorsicht bei diesem Roman: Auch wenn der Autor sehr überzeugend ein Interview mit Konrad Zuse wortwörtlich widerzugeben scheint, handelt es sich um bloße Fiktion! Wir hören Zuse praktisch mit eigenen Worten erzählen, Delius liefert die Transkription von sieben Bändern, die Zuse vollgesprochen haben soll. Es handelt sich hierbei um einen Kunstgriff, der Delius das Schreiben eines Sachbuchs beziehungsweise einer bloßen Biografie zu erspart. So erwacht der Erfinder des Computers zwar sehr glaubwürdig zum Leben, ist aber nicht gerade ein großer Sympathieträger (was ja nicht unbedingt stören muss). Das Einspeisen von Bezügen zu Goethes Faust ist sehr präzise gemeistert und durch einen ähnlichen Vortrag Zuses vor seinem Tod inspiriert, die Geschichte mit Ada Lovelace als geheime Geliebte Zuses (im mentalen Sinne - zwischen den beiden liegen schließlich 100 Jahre) ist an einigen Stellen doch zu offensichtlich eingesponnen. Insgesamt ein lesbares Buch, auch durchaus interessant, allerdings braucht es einiges Vorwissen (man sollte vielleicht auch den Faust gelesen haben, um die Parallelen zu verstehen) über Konrad Zuse. Als Biografie-Ersatz geht dieser Roman also per sé nicht durch, es ist eher eine Zwischendurch-Lektüre für Interessierte mit einigen Aha-Erlebnissen in Bezug auf Nazi-Deutschland und Kriegserleben.
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