Rezension verfasst vor 4 Jahren
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„Bücher zu lesen ist eine nutzlose Beschäftigung: ein Laster, reines Glück.“ Da kann ich nur sagen: So ist es! Das stimmt. So eine Behauptung macht natürlich neugierig auf den Rest des Buches. Mit Recht. Es lässt sich einiges erfahren und lernen. Es lässt sich staunen und wundern und auch prima mit dem Kopf schütteln. Der Untertitel lügt nicht, wenn er behauptet: Erstaunliches, Kurioses und Nachdenkliches rund ums Lesen.
Ich kenne das Gefühl, Tausende ungelesener Bücher zu Hause zu haben und dennoch immer weitere anzuschaffen. Ich kann nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die nicht so denken, ja, die so gar kein Verlangen nach Büchern haben! Wie machen die das? Warum sind sie so? Der Autor hat völlig recht, wenn er schreibt: „Wer dieses ansteckende Gefühl von Freiheit und Beglückung erlebt, die das Lesen entzündet, der möchte es nie mehr missen.“ Und dennoch hat die Stiftung Lesen im Jahr 2000 festgestellt, dass jeder Bundesbürger im Schnitt nur 17 Minuten am Tag liest, 45% nehmen nie ein Buch zur Hand, 5% sind Analphabeten und 15% funktionale Analphabeten, das heißt, sie können keine Fragen zu einfachen Texten beantworten! Wozu dann all die vielen Veröffentlichungen jedes Jahr? Wer soll das alles lesen? Jedes Jahr gibt es über 1.000.000 Neuerscheinungen. Man bräuchte 20 Kilometer Regal, um alle Bücher unterzubringen, die im Laufe eines Jahres erscheinen (und ca. 30 Millionen Euro um sie zu bezahlen). Wenn wir jeden Tag in Buch lesen würden, dann könnten wir immer noch 4.000 weitere nicht lesen, die am selben Tag veröffentlicht werden. Ein einzelner Mensch benötigt ungefähr 250.000 Jahre um alles zu lesen, was es derzeit auf dem Markt gibt! Beängstigend, oder?
Da kommt mir schon mal der Gedanke, ob ich nicht einfach Karriere mache und eben nichts mehr lese. Viele sehr erfolgreiche Menschen lesen nie. Lesen ist für sie eine Tortur, da sie den Umgang mit Büchern nie richtig gelernt haben. Lesen hat ihnen nie Freude bereitet. Wie schrecklich!
Und trotzdem bleibt die Frage: Warum wird so viel veröffentlicht? Die Antwort ist leicht: Wir wollen nicht lesen, sondern gelesen werden!
Viele Autoren schreiben nicht für den Leser, sondern um ihr Ego aufzupolieren! Da wundert es nicht, wenn sich ein Autor bitterlich beklagt, dass sich sein Werk zur Dekonstruktiven Hermeneutik nur 50 Mal verkauft und er natürlich eine Verschwörung wittert, dass ja die bösen Verlage und Buchhändler nur noch Bestseller verkaufen wollen. Das Mitteilungsbedürfnis der Menschen ist enorm. Die Zeitschrift Poetry mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren erhält pro Jahr 90.000 Gedichte von Lesern. Aber wer liest schon Gedichte? Die verkaufte Auflage von Lyrikbänden liegt bei einigen Hundert. Auch der Dichter kauft kaum Lyrik... Tragisch.
Doch Totgesagte leben länger. Wie oft wurde das Buch schon abgeschrieben. Das Fernsehen, dachte man, löst das Buch ab und in letzter Zeit natürlich der Computer und das Internet. Ha ha, immer noch gibt es zu jedem elektronischen Gerät eine gedruckte Anleitung, aber hat schon mal jemand ein Buch gesehen, dass mit einer elektronischen Anleitung kommt? Außerdem ist es ein gewaltiger Unterschied, ob man eine kurze Information auf dem Bildschirm liest oder ein ganzes Buch. Der Inhalt mag derselbe sein, doch wo bleiben da die Sinne? Die Gestaltung des Covers, die Oberflächenstruktur und der Geruch – das alles geht verloren. Ein Buch ist praktisch. Es braucht keine Steckdose, kein Betriebssystem und keinen Empfang. Es kann jederzeit und überall gelesen werden und es passt sich dem Tagesablauf des Lesers an. Im Übrigen wird ein Buch auch seltener gestohlen als ein Computer.
Ich jedenfalls bin und bleibe Buchbesitzer, kein Ausleiher und halte es da ganz mit Nietzsche:
“Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.“
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