Leser-Rezension zu „Marco Polo” von Gary Jennings
am 1.01.2009
Auf gut 1000 Seiten nimmt Gary Jennings den Leser mit auf die Reise Marco Polos, des Entdeckers und Abenteurers, dessen Leben in den Gassen Venedigs begann und ihn nach der Verbannung aus seiner Heimatstadt durch fremde Länder und Kulturen bis an die äußersten Grenzen des mongolischen Reiches brachte.
Schritt für Schritt, mit denen die Reisenden Marco Polo sowie sein Vater und Onkel sich ostwärts fortbewegen, über das in Kreuzzügen umkämpfte heilige Land, den Orient und den Beginn des weitläufigen mongolischen Reiches, beschreibt Jennings eindrucksvoll die unterschiedlichen Kulturkreise in all ihren Facetten.
Der Leser fühlt sich dabei teilweise selbst als Reisegefährte Marco Polos, der immer wieder Neues entdeckt; leider mit eingeschlossen sind etwaige Strapazen, die die Polos ob ihrer anstrengenden Reise, der Leser eher wegen teils langatmiger Passagen zu durchleben hat. Aber so etwas lässt sich bei dem Umfang des Werkes wohl auch kaum vermeiden.
Neben der Reise von Europa bis ins ferne Asien legt Jennings den Schwerpunkt des Buches auf den Aufenthalt Marco Polos im mongolischen Reich, für dessen Herrscher er als Kriegsherr und Kundschafter weite Teile dieses geheimnisvollen Landes erkundete. Zu kurz gerät dann leider die Heimreise, die unter Berücksichtigung der Ausgiebigkeit des restlichen Werkes bruchstückhaft wirkt.
Abschließend noch einige Bemerkungen:
- Vielfach wird Kritik geübt, dass das Buch zu stark auf die sexuellen Erlebnisse Marco Polos einginge und die Beschreibungen diverser Praktiken die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten würden. Dazu ist zu sagen, dass es nicht von der Hand zu weisen ist, dass Jennings diesem Thema vielfach detailreich Platz einräumt, doch dient es meines Erachtens in erster Linie dazu, die unterschiedlichen Kulturkreise, die auf der Reise durchschritten werden, noch präziser zu charakterisieren.
- Ob historisch wahr oder nicht, sei dahingestellt und die Bewertung darüber anderen überlassen. Jennings bedient sich der Rolle des Ich-Erzählers aus der Perspektive Marco Polos und verleiht dem Reisebericht somit noch mehr Authentizität.
- Die Leistung des herausgebenden Fischer-Verlages ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit. Geschätzt alle 10 Seiten findet sich ein Rechtschreibfehler. Darunter fallen nicht nur Tippfehler; nein es gesellen sich auch Ausdrucks- und Grammatikfehler sowie zumindest dem Duden unbekannte Wortkreationen dazu. Den schwachen Eindruck rundet eine lieblose und teilweise fehlerhafte Reisekarte auf den ersten Buchseiten ab.
Doch dafür kann Gary Jennings nichts; und somit ist sein Werk für ausdauernde Liebhaber historischer Romane zu empfehlen.

