Cover und Buchtitel:
Wie auch schon beim ersten Band "Wenn ich bleibe" finde ich das Cover sehr schön und passend. Eine Frau und ein Mann liegen auf dem Rücken, Kopf an Kopf auf (dem Boden? einem Steg? einem Holzbalken?) Etwas aus Holz. Während die Frau aufmerksam und mit einem geheimnisvollen Lächeln in die Kamera guckt oder hier eben den Leser anschaut, liegt der Mann mit geschlossenen Augen, die Kopfhörer aufgesetzt, entspannt da und scheint sich voll auf die Musik zu konzentrieren und sie zu genießen. Mir kommt es so vor, als wäre der Mann, der wohl Adam darstellen soll, hier der Mittelpunkt, auch wenn Mia im Bild mehr auffällt. Sie strahlt richtig mit ihrer hellen Haut im Kontrast zu ihren dunklen Haaren, fast wie bei einem Geist. Auch der falsche Lichteinfall verrät, dass sie vielleicht nicht wirklich da ist, sondern Adam sie sich nur vorstellt. In Bezug auf die Geschichte ist das Cover wirklich sehr passend und mir gefällt es, dass der Stil vom ersten Band (blau, schwarze Farben, die blauen Punkte) übernommen wurde und eine Verbindung daraus entsteht.
Doch diesmal finde ich den Titel "Lovesong" nicht gut. Meiner Meinung nach, passt er so gar nicht zur Geschichte, vor allem nicht am Anfang. Da finde ich den englischen Titel "Where She Went" schon viel besser.
Schreibstil und Charaktere:
Ich bin froh, dass "Wenn ich bleibe" kein einmaliges Leseerlebnis war, bei dem ich feststelle, dass ich Gayle Formans Schreibstil liebe! Hier ein großes Lob an die Übersetzung. Der Schreibstil ist himmlisch, manchmal poetisch, direkt und mit sehr viel Gefühl. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber Gayle Forman schreibt so, dass es mich irgendwie total berührt. Wirklich atemberaubend und fesselnd. Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass dieses Mal aus der Sicht von Adam erzählt wird, aber nach einem kurzen Überraschungsmoment habe ich mich sehr darüber gefreut. In dieser Geschichte geht es ja um Mia und Adam. Und weil ich Mia im ersten Buch kennengelernt habe, lerne ich im zweiten Buch nun Adam kennen. Und ich muss sagen, dass ich im ersten Moment, also am Anfang der Geschichte, echt geschockt war. Mir ist praktisch der Spaß ausgegangen, als ich las, in was für einer Lage Adam ist. Von der ersten Seite an, war ich von seiner Sicht der Geschichte gefesselt, habe mitgefiebert und Adam von ganzem Herzen gewünscht, dass es für ihn gut ausgeht. Ich meine, das, was Mia getan hat, ist echt... grausam. Besser kann man das nicht ausdrücken. Zugleich finde ich es auch sehr spannend, wie Adam sein Leben als plötzlicher Rockstar, für den er sich selbt gar nicht hält, beschreibt und hatte hier und dort auch Momente, in denen ich mir vorstelle so berühmt zu sein wie er. Und hinterher bin ich immer froh, dass ich es nicht bin. Die Geschichte wird von Adam in der Ich-Form und in Vergangenheit erzählt. Am Anfang weiß der Leser bloß, dass es seit dem Unfall schon einige Zeit vergangen ist, es Adam echt miserabel geht (um nicht zu sagen "beschissen", weil das ja doch sehr gewagt ist in einer Rezension) und Mia weg ist. Sie hat ihn verlassen, warum und wie es passierte, ist zunächst unbekannt. Meistens kommt, bevor ein Kapitel anfängt, ein Zitat aus einem Lied aus dem Album "Collateral Damage" von Adams Band "Shooting Star". Sie beziehen sich auf den Inhalt des jeweiligen Kapitels und haben mir ebenfalls sehr gefallen. Natürlich ist mir bewusst, dass das viel zu viel Arbeit gewesen wäre, aber ein echtes Album mit den Liedern zum Buch, hätte mir echt gut gefallen.
Adams Leben steht auf dem Kopf. Jeden einzelnen Tag überkommt ihn die nervöse Angst vor der großen Tour, die bald ansteht. Siebenundsechzig Tage. Er ist ausgebrannt, ruhelos und verzweifelt, flüchtet vor den wesentlichen schmerzhaften Fragen, die seinen Kopf einnehmen und ihn nicht schlafen lassen. Er greift schließlich zu anderen Mitteln, um mit seinem neuen und kaputten Ich klarzukommen, nimmt Pillen, die seine nie sinkende Nervosität dämpfen sollen, fängt an zu rauchen, versucht seine ständig zitternden Hände zu beruhigen und überspielt, dass ihn schon lange nichts mehr motiviert. Schon gar nicht die Musik. Adam hat sich ein Leben als Rockstar, der er unfassbarerweise schon ist, nicht so vorgestellt. Seine Leidenschaft für das Musizieren zu verlieren, die Zeit nicht mehr unter Kontrolle zu haben, sich bei einem Auftritt mit tausenden von Fans vollkommen alleine zu fühlen; das war alles nicht geplant. Und doch steht er da. Wie ein geprügelter, trauriger Junge, den nichts mehr hält. Und das alles nur wegen ihr. Sie ist der Grund, weshalb er so geworden ist. Mia hat in verlassen und doch, kann er sie einfach nicht loslassen. Stellenweise habe ich gedacht: "Mia, wie konntest du nur?"
An dieser Stelle möchte ich gerne meine Lieblingszitat aufschreiben:
Zitat:" "ICH HALTE DAS NICHT LÄNGER AUS!", schreie ich lauter als je zuvor in meinem Leben, so laut, dass mein Atem wahrscheinlich die Bäume in ganz Manhatten umsäbeln könnte. Zumindest scheint es mir so. Und während ich gegen die unsichtbaren Wellen und die nicht vorhandenen Strudel und die Dämonen, die nur allzu real sind und die ich selbst gerufen habe, ankämpfe, spüre ich plötzlich, wie sich etwas in meiner Brust öffnet, ein Gefühl, das so intensiv ist, dass es sich anfühlt, als würde mein Herz gleich zerspringen. Und ich lasse es einfach geschehen. Ich lasse es protestlos zu. " (Seite 201)
Meine Meinung:
Ein Wahnsinnsbuch! Bei "Wenn ich bleibe" hatte ich etwas mehr das Gefühl, dass die Musik, vorallem die Fronten Punk-Rock und Klassik, die ganze Geschichte umgibt. Bei diesem Buch ist die Musik etwas in den Hintergrund gerutscht und es geht mehr um Adam und Mia, auch wenn die Musik trotzdem immer präsent ist. Und das finde ich auch gut so! Das Ende des ersten Buches hat förmlich nach einer Geschichte über Mia und Adam geschrien und ich bin froh, dass Gayle Forman diesem Schrei nachgegangen ist. Am Anfang war ich geschockt, wegen Adams mentalen Zustand. Dann war ich aufgeregt, als sich Mia und Adam wiedersehen - und das Wiedersehen hat mir das größte Gefühlschaos eingeheimst, das man sich vorstellen kann. Von Freude, Trauer, Verwirrtheit und Schock, war alles mit dabei. Also an Mangel an Emotionen wird dieses Buch nicht scheitern und auch an sonst irgendwas, denn es ist wirklich perfekt! Inklusive dem unglaublichen Ende.
Fazit:
Ich vergebe 5 von 5 Punkten!! :))
Ein so wunderbares Buch mit gigantischen Bergen verschiedenster Gefühle und letztendlich auch ein Hoffnungsfunken für die wahre Liebe. :)