WOYZECK & LEONCE UND LENA
Woyzeck
„… der Woyzeck Georg Büchners … Eine ungeheure Sache, vor mehr als achtzig Jahren geschrieben … nichts als das Schicksal eines gemeinen Soldaten (um 1848 etwa), der seine ungetreue Geliebte ersticht, aber gewaltig darstellend, wie um die mindeste Existenz, für die selbst die Uniform eines gewöhnlichen Infanteristen zu weit und zu betont erscheint, wie selbst um den Rekruten Woyzeck, alle Größe des Daseins steht, wie er’s nicht hindern kann, dass bald da, bald dort, vor, hinter, zu Seiten seiner dumpfen Seele die Horizonte ins Gewaltige, ins Ungeheure, ins Unendliche aufreißen, ein Schauspiel ohnegleichen, wie dieser missbrauchte Mensch in seiner Stalljacke im Weltall steht, malgré lui, im unendlichen Bezug der Sterne. Das ist Theater, so könnte Theater sein.“( Rainer Maria Rilke, Brief an Maria von Thurn und Taxis, 9. Juli 1915)
Inhalt
Woyzeck ist ein einfacher Soldat und gehört zu den Armen des Volkes. Er versucht seine Freundin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind finanziell zu unterstützen und arbeitet deswegen als Laufbursche für den Hauptmann des Stückes. Um sich zusätzlich etwas Geld zu verdienen zu seinem Sold, den er restlos an Marie abgibt, lässt er sich von dem skrupellosen Arzt zu Versuchszwecken überreden. Woyzeck soll eine Erbsendiät machen. Der Hauptmann und der Arzt nutzen Woyzeck nicht nur physisch und psychisch aus, sondern demütigen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit, da er zum niederen Volk gehört.
Als Marie heimlich eine Affäre mit einem Tambourmajor beginnt und Woyzecks dies herausfindet, nachdem er Marie im Wirtshaus beim Tanz mit dem Major beobachtet hat, glaubt er, innere Stimmen zu hören, die ihm befehlen, die treulose Marie zu erstechen. Weil sein Geld für den Kauf einer Pistole nicht ausreicht, besorgt er sich ein Messer, führt Marie auf einem abendlichen Spaziergang in den nahegelegenen Wald, in welchem er sich schon oft Endzeitszenarien eingebildet hat und ersticht sie dort am Ufer eines Sees. Er schmeißt die Mordwaffe ins Wasser und hofft nicht gefasst zu werden, doch Woyzeck ist schon lange nicht mehr bei klarem Verstand.
Cover
Hamburgerlesehefte sind immer so eine Sache. Auf der einen Seite sind sie wirklich preislich nicht zu schlagen aber die Qualität lässt sehr zu wünschen übrig. Das Buch ging mir schon wieder nach ein paar Tagen sehr kaputt genau wie mein Exemplar des „Taugenichts“ von Eichendorff. Ich finde es sehr schade, dass unsere Schule diese Lektüren bevorzugt.
Meinung
Woyzeck hat mich sehr gefesselt und begeistert. Ich war froh nach Homo Faber und Taugenichts um Deutschleistungskurs nochmal ein Drama (hier ein Fragment) zu lesen. Ich mag diese Literaturform einfach sehr gerne. Mich hat Büchners Sprache fasziniert und allgemein fand ich das kurze Drama sehr spannend und mitreißend. Man muss sich auf den Kontext und die Sprache einlassen, denn wenn man dies nicht tut wird einem Büchners Werk nicht gefallen. Ich persönlich bin froh dieses Stück gelesen zu haben und werde sicherlich noch mehr von Büchner lesen.
4 Sterne für Woyzeck.
„Woyzeck ist der Mensch, auf dem alle rumtrampeln. Somit ein Behandelter, nicht ein Handelnder. Somit ein Kreisel nicht eine Peitsche. Somit ein Opfer nicht ein Täter. Dramengestalt wird sozusagen die Mitwelt – nicht Woyzeck. Kernpunkt wird sozusagen die quälende Menschheit – nicht ihr gequälter Mensch. Bei alle dem bleibt wahr, dass Woyzeck durch seine Machtlosigkeit justament furchtbarsten Einspruch erhebt. Dass er am tiefsten angreift – weil er halt nicht angreifen kann.“ Alfred Kerr, Theater-Kritik, 15. Dezember 1927
LEONCE UND LENA (nicht Teil der Lektüre aus dem Unterricht)
(Spoiler)
Der melancholische, traumversunkene Prinz Leonce vom Königreiche Popo (in seiner territorialen Winzigkeit und intellektuellen Borniertheit eine Persiflage auf die deutschen Kleinstaaten) wird vor vollendete Tatsachen gestellt: Er soll die ihm völlig unbekannte Prinzessin Lena vom Königreiche Pipi heiraten. Nicht gewillt, den Bund einzugehen, flüchtet er Richtung Italien. Begleitet wird er dabei von seinem treuen, aber arbeitsscheuen Diener Valerio, der als stets leicht betrunkener und immer heißhungriger Sancho Pansa seinen idealistisch verträumten Herrn immer wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückholt.Auf dem Weg nach Italien begegnen Leonce und Valerio zwei Damen: Lena und ihrer Gouvernante, beide ebenfalls auf der Flucht vor der Heirat. Leonce, nicht ahnend, dass es sich um die ihm versprochene Braut handelt, verliebt sich unmittelbar in das Mädchen, während Valerio und die Gouvernante eine bissige Konversation führen. Leonce gesteht Lena seine Liebe, sie jedoch erwidert diese nicht: Er will daraufhin Selbstmord begehen, wird aber von Valerio davon abgehalten, der die Tragik des Selbstmords ins Lächerliche zieht, indem er Leonce spöttisch bittet, ihn mit seiner „Leutnantsromantik“ zu verschonen. Später verliebt sich Lena dann doch noch in Leonce, und die beiden beschließen, gemeinsam alt zu werden.
Meinung
Auch Leonce und Lena hat mich amüsiert. Es ist sehr anders als Woyzeck.Dennoch lassen sich einige Motive in beiden Werken erkennen. (Selbstmord, Kritik am Adel). Büchner hat seine politische EInstellung gut verarbeitet. In Leonce und Lena macht er sich regelrecht über die Adeligen lustig und zeigt gleichzeitig schonungslos das Leid der Armen.
Ich habe teilweise laut lachen müssen bei dem Werk da es teilweise so skuriell und sarkastisch ist . Die Adeligen erscheinen so lächerlich, da muss man einfach lachen. Büchners Schreibstil gefällt mir auch. Fazit von Büchner bin ich begeistert und werde sicherlich noch etwas von ihm lesen (ja auch freiwillig).