Leser-Rezension zu „Roman unserer Kindheit” von Georg Klein
am 15.07.2010
Ich mag Bücher über eine Periode der Kindheit, in der sich etwas ändert, ich mag sogenannte "Coming of Age" Geschichten und ich mag auch an diesem Buch dieses Flirren zwischen kindlicher Fantasie und kindlichem Erleben, bei dem man nie weiß, was gerade passiert und was die Fantasie daraus macht. Ich mag an diesem Bich die Zeichnung der Figuren, die Zahnräder der Entwicklungen, die ineinandergreifen.
Das Buch hätte also alle Chance bei mir gehabt.
Leider hat es mich fast nur genervt.
In einer Sprache, die mit Wortschatz bestechen will werden inflationär Substantivierungen von Adjektiven und Verben benutzt, selbst, wenn es dafür schon Substantive gibt. Handlungen werden nicht ausgeführt, sondern man ist sie am Tun, das allerdings nicht so konsequent, dass ich es als bewusst verwendete Lokalkoloritsplitter empfunden habe.
Gefühlt jede halbe Seite raubt ein Cliffhanger die Spannung, gibt es einen neuen Nebenfaden und permanent möchte man der allwissenden Icherzählerin zurufen: Erzähl doch endlich, was du erzählen möchtest. Aber wahrscheinlich liegt genau darin das Problem: sie möchte zu viel erzählen. Und holt dazu hier noch mal aus und dort noch mal aus, greift häufig sogar voraus und deutet Entwicklungen an, die mit dieser Geschichte gar nichts zu tun haben. Von allen Menschen, deren früher Tod mir vorausgesagt wird, stirbt gerade mal einer.
Fazit: Geschichte und Geschehen, Charaktere und ihre surrealen Elemente haben mir gefallen. Etwas weniger "Videoschnitt" und mindestens 100 gestrichene Seiten hätten dem Buch sicher gut getan

