Rezension verfasst vor 11 Monaten
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Ringsgwandl war mir bereits vor der Lektüre dieser Geschichtensammlung ein Begriff. Kontrovers und teilweise ziemlich abgedreht gehört er zu den großen "alten" Männern des Kabaretts, wie Helge Schneider oder Gerhard Polt. Er polarisiert - schaut sozusagen dem Volk aufs Maul und verwandelt seine Beobachtungen in teilweise recht giftige Spitzen gegen die Normalbürger der Republik oder die allgegenwärtigen, teilweise recht kuriosen Vorschriften, mit denen wir es Tag für Tag zu tun bekommen.
Was aber würde nun literarisch auf mich zukommen? Ich war gespannt - und nachdem ich die Sammlung seiner sarkastischen, teils ins Groteske überzogenen Kurzgeschichten durch hatte, fühlte ich mich wie der Besucher einer seiner Vorstellungen, der sich begeistert vom Sitz erhebt und "Zugabe, Zugabe!" ruft.
Auch wenn nicht alle Stories hundertprozentig meinen Geschmack treffen, musste ich doch des öfteren schmunzeln, kichern, ja, sogar laut lachen. Ein Beispiel:
"Das Müllstrafenregister" nimmt absolut köstlich den Mülltrennungswahn unserer Gesellschaft auf die Schippe. Bitte nicht falsch verstehen, auch ich trenne natürlich meinen Müll, und das ist auch gut so. Aber darum geht es Herrn Ringsgwandl auch gar nicht. Er prangert vielmehr die vielen absurden Vorschriften an, die es rund um die Müllentsorgung gibt. Das ganze so köstlich überzogen und doch so nah am Leben, dass ich mehrfach laut lachen musste.
Als ein zweites, etwas anderes Beispiel sei die Geschichte "Unfruchtbarkeitssprechstunde" genannt. Dabei hat der Autor in der Tat recht: warum soll man denn bitte zu einer "Unfruchtbarkeitssprechstunde" gehen - dass man unfruchtbar ist, weiß man doch selber. Trotzdem wagt er sich mit seiner Frau hin, um beim Abgeben der obligatorischen Probe als guter Katholik ins ernsthafte Schwierigkeiten zu kommen...
Ein wenig zahmer, aber nicht weniger originell wird es, als Ringsgwandl sich in "Die Badewannenrandarmee" darüber Gedanken macht, warum seine Gattin jeden nur verfügbaren Quadratmillimeter im Bad mit Tiegeln, Töpfen und Tuben vollstellt.
Und so geht es immer weiter. Ringsgwandl scheint nicht nur Medizin studiert zu haben, sondern auch einige Semester Sarkasmus und Lakonie. Es macht riesig Freude, die sprachlich sehr ausgeklügelten, teilweise rotzfrechen Alltagsbeobachtungen zu lesen, und obwohl ich mir eigentlich vorgenommen habe, nicht alles auf einmal zu lesen, sondern in "Häppchen" zu unterteilen, konnte ich mich oft doch nicht bremsen und habe weitergelesen.
Wer intelligenten Humor mag, der streckenweise allerdings auch ein wenig derb daherkommt, der sollte sich mal einen Blick gönnen. Ich habe die Lektüre ausgesprochen genossen und gebe ohne Wenn und Aber fünf Sterne. Dieses Buch werde ich sicherlich noch oft zur Hand nehmen!
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