„Julius Winsome“ erzählt die Geschichte eines Mannes im „Winter in Maine“. Eines sympathischen Bücherwurms und feinsinnigen Einzelgängers den der Tod seines Hundes Hobbes aus seiner Bahn wirft und nach blutiger Rache suchen lässt... doch weiß er gar nicht wer den Hund erschossen hat.
Julius Winsome ist ein einsamer Mensch, die Mutter bei seiner Geburt verstorben, wurde er allein vom Vater erzogen und lebte mit ihm und nach seinem Tod ohne ihn, fern von der modernen Welt, zwischen vielen Büchern, der liebe zu Worten und den Erzählungen seines Vaters. Er führt ein einsames, aber besinnliches Leben, gibt sich seinen schöngeistigen Gedanken hin und scheint zufrieden. Diese Welt bricht ein wenig auf, als er Claire kennen und lieben lernt. Jene Frau, die unverhofft in sein Leben eindringt und den Hund mitbringt....
Frau Heidenreich hat in ihren Online Empfehlungen davon gesprochen, das dieser Roman ein Thriller wäre... das kann ich so nicht unterschreiben. Auch wenn es um einen Menschen geht, der seriell andere Menschen umbringt, so kommt auf keiner Seite das klassische, spannungsgeladene Gefühl eines Thrillers auf. Viel zu langsam schreitet die Geschichte voran, viel zu sehr ist man mit dem Täter in seinem Innern und besieht sich durch seine Augen die Welt. Dem Autor gelingt damit ein eindringliches Portrait über die Einsamkeit, ihre Ursachen, ihre Werte... und auch ihre Gefahren. Den letzten Endes geht es in dem Buch meiner Meinung nach um den Punkt, an dem ein Mensch kippt... an dem seine Werte und Normen sich verlieren und die Einsamkeit eine Seele zermalmt. Bis zum Schluss wirkt Julius fast unangenehm objektiv und nur, wenn man sich aus seinem Kopf löst und die Zeilen von außen betrachtet, erkennt man, wie subjektiv und psychopathisch dieser Mensch geworden ist.
Anspruchsvoll auch wenn das Buch nicht so viele Seiten hat, so ist es nicht gerade einfach zu lesen. Dabei ist die Sprache sehr schön, oft poetisch und selbst die Mordtaten werden zu anmutigen Bildern verdichtet. Ruppig und hart hingegen ist die äußere Welt, die Momente, in denen Julius nicht mehr allein ist, in die Gesellschaft eindringt...
Zitat: "The winter is fifty books long and fixes you to silence like a pinned insect; your sentences fold themselves into single words, the hand of twelves makes one hand in time."
Ein Winterbuch für gruselige Momente und lange Gedanken, wenn das Feuer im Kamin brennt und draußen der Schnee fällt... und man selbst in den großen Städten ein wenig von dem Gefühl der tiefen Einsamkeit in der Natur erhaschen kann.