Rezension verfasst vor 2 Jahren
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‚Macht, Sex und Drogen’ – Diese drei Worte auf dem Schutzumschlag haben zu einigen Nachfragen meiner Kollegen geführt, die plötzlich sehr daran interessiert waren, was ich gerade lese. Die „Verpackung“ wirkt also, das Buch macht neugierig.
‚Romanzo Criminale’ erzählt die Geschichte der Magliana-Bande, einer Gruppe von Jugendlichen, die sich mit dem Ziel zusammengeschlossen haben, Drogen, Glücksspiel und Prostitution in Rom zu kontrollieren und damit die Macht über die Stadt zu erlangen. Unliebsame Gegner oder Schwachstellen aus den eigenen Reihen werden ohne Skrupel aus dem Weg geräumt, Drogen werden verkauft und konsumiert, Geld wird verschwendet oder in fadenscheinige Geschäfte reinvestiert – alles unter der Protektion von Mafia, staatlichem Geheimdienstes und korrupten Polizeibeamten. Die wenigen Mitglieder der Polizei und der Staatsanwaltschaft, die der Bande den Kampf ansagen, scheinen machtlos.
Die Handlung erstreckt sich über 15 Jahre, von der Gründung bis zum Ende der Magliana-Bande. Detailliert beschreibt der Autor, was in dieser Zeit passiert, wobei die einzelnen Handlungselemente sich gleichen und ständig wiederholen: Drogengeschäfte, Morde, Verhaftungen, Freilassungen aus der Haft – nur die Beteiligten variieren. So stellt sich beim Lesen ein eigenartiger Effekt ein: Obwohl es nicht an „Action“ mangelt, stumpft man durch die Wiederholungen ab und wartet darauf, dass endlich etwas Außergewöhnliches passiert.
Nicht unwesentlich trägt zu diesem Gefühl bei, dass die Handlung inklusive der zahlreichen Toten weitestgehend unemotional geschildert wird. Morde sind an der Tagesordnung und weder für die Ausführenden noch für den Leser eine Besonderheit. Außerdem führen dieser distanzierte Schreibstil und die wechselnden Perspektiven dazu, dass man sich als Leser mit keinem der Protagonisten identifiziert, weder mit einem der Bandenmitglieder, noch mit ihrem Gegenspieler, dem Polizisten Scialoja. Man betrachtet das Geschehen von außen und liest manchmal fast wie in einem Sachbuch.
Die Spannung, die bei einem Thriller normalerweise im Vordergrund steht, bleibt dabei weitestgehend auf der Strecke, zu eintönig ist die Handlung und zu wenig emotional involviert ist der Leser. Das Bild der italienischen Gesellschaft hingegen, das De Cataldo in seinem Buch zeichnet, ist sehr interessant, aufschlussreich und wohl auch realitätsnah. Für mich persönlich hätte es dazu allerdings keine knapp 600 Seiten benötigt. Die Verquickung von Kriminalität und Politik und die Machtlosigkeit der Justiz wurden bereits in der ersten Hälfte des Buches deutlich.
‚Macht, Sex und Drogen’ habe ich im Inneren des Buches zur Genüge wiedergefunden, die ebenfalls angekündigte ‚Spannung pur’ hat sich jedoch bei mir leider nicht eingestellt.
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