Leser-Rezension zu „Finstere Orte” von Gillian Flynn

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R-E-R R-E-R
Verfasst von R-E-R
am 22.07.2010
 

Finstere Orte - Überzeugend ausgeleuchtet

Kindermund tut Wahrheit kund. Und falls nicht, kann aus einer einzigen unbedachten Äußerung eine verhängnisvolle Verkettung unglücklicher Umstände und Missverständnisse zur Katastrophe führen. “Welleneffekte” nennt Gillian Flynn das in ihrem Thriller “Finstere Orte”. Von dieser nahezu perfekten Welle lässt man sich fasziniert mitreißen.

Libby Day ist pleite. Ihre Mutter und ihre beiden Schwestern wurden getötet als sie sieben Jahre alt war. Hingerichtet als satanisches Opfer. Als einzige Überlebende des Blutbades, brachte ihre Zeugenaussage den eigenen Bruder als fanatischen Täter hinter Gitter. Ein Vierteljahrhundert später ist der Hilfsfond mitleidiger Spender aufgebraucht und Libby muss sich nach einer neuen Geldquelle umsehen. Gerade zu rechten Zeit erhält Sie ein lukratives Angebot einer Gruppe von Hobby Kriminologen, die Zweifel an der Schuld Ihres Bruder haben. Libby soll das damalige Verbrechen noch einmal untersuchen. Als Insiderin mit persönlichem Zugang zu den ehemals beteiligten Personen. Die finanzielle Notlage gibt den Ausschlag. Gegen Ihre innere Überzeugung begibt sich Libby auf die Reise zu Ihren “Dark Places”.

Gillian Flynn erzählt in “Finstere Orte” eine fesselnde Geschichte. Obwohl Ihr Buch zur Genregattung Thriller gezählt wird, geht Sie nicht reißerisch und sensationslüstern auf Leserfang. Aus drei Perspektiven lässt Sie uns am Leben einer zerstörten Familie teilnehmen. Libby berichtet als Ich-Erzählerin aus dem Heute. 25 Jahre nach den schrecklichen Erlebnissen, scheint Sie noch immer in ihrer eigenen, ganz persönlichen Hölle gefangen zu sein. Flynns Protagonistin ist eine Antiheldin. 1,50m klein, dafür mit überdimensionalen Brüsten ausgestattet, faul, phlegmatisch und geldgierig. Man mag sie nicht, findet sie zunehmend unsympathisch. Entwickelt dennoch eine trotzige Zuneigung. Irgendwo auf dem Weg, wird uns das bessere Ich begegnen. Dessen ist man sicher.

Der schicksalhafte Tag selber wird abwechselnd aus der Perspektive der Mutter Patty und des Bruders Ben geschildert. Fast minutiös blättert Flynn den verhängnisvollen Tag für uns auf. Den Tag an dem bei “den Days alles schiefging, was schief gehen konnte.” In reichhaltigen Bildern zeichnet Sie einen detailgenauen Hintergrund. Atemlos folgt man einer Spur von schrecklicher Zwangsläufigkeit. Die verarmte Familie lebt auf einer heruntergekommenen, völlig verschuldeten Farm. Die Mutter, vom trinkenden Ehemann sitzengelassen, ist mit der Erziehung der 4 Kinder überfordert. Der Sohn Ben bereitet zusätzliche Sorgen. Schottet sich von der Familie ab, färbt sich die Haare schwarz und hört Heavy Metall. Zu Beginn der 1980er Jahre zumindest fragwürdig, wenn nicht gar verdächtig!

Gillian Flynn erzeugt Spannung nicht nur im Hinblick auf Ihr Grande Finale. Natürlich will man unbedingt wissen, was in der kalten Januarnacht des Jahres 1985 wirklich passiert ist. Und in dieser Hinsicht wird man nicht enttäuscht. Viel lohnender jedoch ist Ihr Weg dorthin.

 

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Finstere Orte Finstere Orte
Gillian Flynn

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Finstere Orte
von Gillian Flynn

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