„Das Tor zum Garten der Zambranos“ von Gudrun Pausewang ist ein Roman über Straßenkinder in Südamerika. Jedoch bekommt ein Junge die Möglichkeit auch die andere, die reiche Seite des Lebens kennen zulernen.
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„Weißt du wie ich mir vorstelle, wie’s ist, wenn man tot ist?“ fragte Tinto mit vollem Mund. „Da wirds ganz hell und kühl, wie nach einem Platzregen, und dann steh ich in einem weißen Hemd und sauber gewaschen vor so einem Gartentor, und das Tor geht auf, und ich seh die Villa, die ist weiß und rot, und ich seh, wie ein weißer Mann und eine weiße Frau aus der Villa kommen, genau auf mich zu, und sie breiten die Arme aus und lachen und rufen. „Wir sind jetzt deine Eltern, Jorge, bis in alle Ewigkeit!“.
Die Straßenkinder haben es nicht leicht, da sie jeden Tag um ihr überleben kämpfen müssen, sodass Tod und Leben eng beieinander liegen. Angelito, der Protagonist im Roman, ist 9 Jahre alt und kam durch viele Schicksalsschläge auf die Straße und muss dort in Mülltonnen wühlen und betteln, um überhaupt überleben zu können. Zum Glück jedoch hat er viele Freunde, die ebenfalls auf der Straße leben, und sich gegenseitig unterstützen. Tinto sein bester Freund kommt eines Tages auf die Idee nach Christo Rey, dem reichen Stadtteil, zu fahren, um Nahrung zu besorgen. Vor einen großen Villa werden sie von dem Sohn des Besitzers entdeckt und eingeladen ein Baumhaus zu bauen. Dies sollte sich als Wendepunkt für beide darstellen. Als sie von den Eltern entdeckt werden äußert der Sohn, Gregorio, den Wunsch Angelito zu behalten, Tinto hingegen wird fortgeschickt. Angelito wird dem reichen Hause angepasst, da er seinen richtigen Namen Simon wieder bekommt, ein Zimmer, frische Kleidung und Essen sowie eine Schulbildung erhält. An seiner Seite steht währenddessen die Haushälterin Alicia, die ihn bei seiner Anpassung unterstützt, da diese selbst aus einer armen Familie kommt und seine Situation und die damit verbundenen Probleme gut kennt.
Angelito darf seine alten Freunde nicht mehr besuchen und gerät in einen Gewissenskonflikt, da er ihnen nicht helfen kann. Während eines Besuches in der Stadt fordern diese von ihm Geld, da er ja jetzt in einem reichen Haus wohne. Dieser Bitte kann er jedoch nicht nachkommen und schämt sich für seine neue Situation.
Das Verhältnis von Gregorio zu Angelito scheint sich nach und nach zu einer innigen Freundschaft zu entwickeln. Angelito soll zunächst nur „behalten“ werden, um Gregorio in der Schule zu beschützen, da dieser wegen seiner dicken Brillengläser „Linse“ genannt wird und nicht sonderlich beliebt ist. Jedoch entwickelt sich das Verhältnis des ungleichen Paares, da Gregorio seinen neuen Freund als Bruder ansieht und auch Interesse für dessen frühere Lebensumstände entwickelt, diese sogar sehen und erleben will.
Gregorio scheint sich gegen die Gesellschaft und Ordnungen der Elter zu entwickeln, da er sich schwört später von seinem Verdienst immer die Hälfte an arme Menschen zu geben und sich immer mehr für deren Umstände interessiert. Beide planen somit im Haus der Zambranos ein großes Fest für die Hausangestellten und alten Freunde von Angelito.
Dieses Fest wird jedoch zum weiteren Wendepunkt, da Angelito wieder auf die Straße geschickt wird und von nun an sein altes Leben weiterführen muss. Gregorio verspricht ihm zwar sich um ihn zu kümmern und jenen wiederzuholen, schafft es jedoch nicht. Er zeigt Angelito im Laufe der Jahre Möglichkeiten Geld zu verdienen, indem sie gemeinsam Pläne schmieden und Angelito somit Hoffnung auf ein besseres Leben schenkt, sodass er sogar die Abendschule abbricht.
Euclides, der Schuhputzer, rät Angelito jedoch zur Vorsicht, da er meint, dass Gregorio ihn schon bald vergessen habe über die Jahre. Als beide ca. 18 Jahre alt sind, treffen sie sich zufällig vor der Bank, da Angelito nun Schuhputzer ist und die Vermutung von Euclides scheint sich zu bewahrheiten.
„Was hast du vor?“, fragte er erschrocken. Angelito antwortete nicht. „Gregorio?“, fragte Euclides. Angelito nickte und zeugte auf den Schlüssel, den er jetzt wieder um den Hals trug. „Ich werde das Tor aufmachen, Euclides“, sagte er. Seine Augen schwammen in Tränen. „Welches Tor?“, fragte Euclides....
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Mir persönlich hat dieses Buch sehr gut gefallen, da es nicht die typische Straßenkinderthematik hat. Ihre Probleme werden zwar ausführlich dargestellt, jedoch auf eine andere Sichtweise beleuchtet. Der Leser kann durch die starke Fokussierung auf Angelito die Probleme direkt nachvollziehen und das Leben dieser Kinder wird somit subjektiv beleuchtet. Dies wirft besonders ein anderes Augenmerk auf die Kriminalität, die hier als Überlebenssicherung fungiert. Man kann somit Verständnis für die Probleme und das Leben dieser Kinder/ Erwachsenen entwickelt und diese Erfahrungen gut mit den eigenen Vorurteilen bezüglich dieser Thematik vergleichen. Diese anfängliche Hoffnung, die man in die Beziehung der Protagonisten setzt zieht sich durch die gesamte Erzählung, sodass zu jeder Zeit die Hoffnung besteht, dass sich alles wieder zum Guten wendet. Dadurch wirkt meiner Ansicht nach das Ende sehr drastisch und gelungen in diesem Kontext.
Meiner Ansicht nach ist dies ein lesenwertes Jugendbuch über Südamerika und Straßenkinder im allgemeinen, da die Geschichte sehr bewegend, undurchsichtig, authentisch und spannend gestaltet ist. Das Besondere ist einfach die Entwicklung der Personen und die Hoffung, die man als Leser selbst darin hineinsetzt, die jedoch erst im Laufe der Geschichte entweder stirbt oder von neuem entfacht. Diese Unvorhersehbarkeit unterstreicht die gesamte Atmosphäre des Buches noch einmal.
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Fazit: Sehr schöne Geschichte über Straßenkinder in Südamerika, die zum nachdenken anregt und diese Thematik kritisch beleuchten lässt.