Leser-Rezension zu „Gotland” von Hakan Östlundh
am 10.12.2010
Gotland ist eigentlich der vierte Roman in der Reihe um Inspektor Fredrik Broman, doch die drei Vorgänger wurden bisher nicht ins Deutsche übersetzt. Im Großen und Ganzen kann man den Krimi lesen und genießen, ohne die Vorgeschichte der Hauptpersonen zu kennen, dennoch verstehe ich die Motivation hinter solchen Entscheidungen nicht. Warum fängt man nicht bei Teil 1 an? Sollten die ersten drei Teile nun noch übersetzt werden, ist zumindest im Privatleben der Protagonisten durch Band 4 schon viel verraten - durch Andeutungen, die man schlucken muss, aber nicht erklärt bekommt. Aber das ist nur ein kleines Ärgernis am Rande - bei Gotland handelt es sich um einen soliden Kriminalroman. Östlundh hat eine routinierte Schreibe, der Kriminalfall ist spannend und gut durchdacht und Wendungen in der Handlung, die die Spannung am Leben halten, gibt es auch.
Mittelpunkt der polizeilichen Ermittlungen ist ein Doppelmord im Gutshaus einer wohlhabenden Familie. Die tote Frau kann gleich identifiziert werden, es ist Kristina Traneus, die Dame des Hauses. Der Mann an ihrer Seite ist jedoch so entstellt, dass zunächst eine Identifizierung unmöglich scheint. Als sich jedoch schnell herausstellt, dass es sich bei der männlichen Leiche nicht um Arvid, den Mann Kristinas, handelt, kommt der Verdacht auf, Arvid selbst könne die beiden Morde begangen und sich danach abgesetzt haben. Die Polizei erhofft sich Hilfe von den beiden erwachsenen Kindern der Traneus', doch Elin und Ricky scheinen grundsätzlich unterschiedlicher Meinung zu sein, was die allseits bekannte Gewaltbereitschaft ihres Vaters anbelangt. Welches dunkle Geheimnis lastet auf der Familie Traneus?
Das Besondere an diesem Krimi sind die Einschübe in die Handlung, die zeitlich versetzt einen schwer verletzten Fredrik Broman zeigen, der im Krankenhaus erst um sein Leben und dann um Erinnerung und Sprache kämpft. Während man also den Ermittlern auf ihren Wegen zur Lösung des Falls folgt, fragt man sich auch die ganze Zeit, was bei den Ermittlungen so schief laufen wird, dass Broman letztlich schwer verletzt im Krankenhaus landet. Man liest sich also einem zweifachen Finale entgegen, was das Interesse und die Spannung konstant aufrechterhält. Alles in allem ein solider Krimi, der zwar Spaß macht, aber nicht außergewöhnlich ist.
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!!!3 bis 4 Sterne!!!

