Hallgrimur Helgason ist einer der zahlreichen hervorragenden Schriftsteller, die die nordische Insel Island mit ihren gerade mal 320 000 Einwohnern in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Unter ihnen ist er vielleicht der schillerndste und vielseitigste Künstler, denn er schreibt nicht nur Romane, sondern er arbeitet nach Ausbildungen an der Hochschule für Kunst und Kunstgewerbe in Reykjavik und der Kunstakademie in München auch als bildender Künstler.
In dem vorliegenden neuen Roman, der auch im Original jenen seltsamen und langen Titel trägt, erzählt er die Geschichte des kroatischen Auftragkillers Toxic. Toxic hat, so wird im Laufe der Handlung deutlich, während des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien viele Serben getötet, auch Frauen und Kinder. Nach dem Ende des Kriegs dort kann er nichts mehr anderes und wird Auftragskiller. 66 Morde auf Bestellung hat er bisher begangen und er kann sich im Verlauf des Buches an jeden einzelnen - nummeriert - erinnern. Auf manche ist er stolz, andere, wenn auch nur wenige, wären fast schief gegangen.
Als er eines Tages in New York auf dem Flughafen auf seinen Flug nach Zagreb wartet ( dort soll der nächste Auftrag ausgeführt werden), sieht er, dass er von zwei FBI-Agenten erwartet wird. Er flüchtet sich in die Toilette und bringt dort einen Mann um, um sich nicht nur mit dessen Kleidung, sondern auch mit dessen Identität und Papieren auszustatten. Der Mann, den er getötet hat, heißt Father Friendly, ein frommer Priester auf dem Weg nach Island, wo er von seinen Glaubensbrüdern sehnlich erwartet wird.
Toxic zeigt auch jetzt seine außergewöhnlichen Fähigkeiten zur Anpassung und Verstellung, die ihm schon so oft das Leben gerettet haben. Er fliegt nach Island und gibt sich, mit einigen sprachlichen und theologischen Patzern zunächst, dann aber immer sicherer in seiner neuen Rolle werdend, als der Priester aus, dessen Leben er ausgelöscht hat.
In einer wunderbaren Komödie voller schwarzen Humors beschreibt Hallgrimur Helgason sein Heimatland im Nordmeer und seine oft skurrilen Bewohner. Man kann durchaus davon ausgehen, dass es für die Protagonisten tatsächlich Vorbilder gibt, und jener Fernsehkanal des isländischen Gastgebers von Father Friendly eine Kopie in der Realität dort hat.
Gleichzeitig ist es ein trauriger Rückblick auf jenen ethnisch-völkermordenden Wahnsinn, der sich da Anfang der neunziger Jahre in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien abgespielt hat.
Ein Buch, das sich in einem Zuge liest, das einen mal laut zum Lachen bringt und es einem dann wieder im Halse stecken bleiben lässt.
Eine rabenschwarze Komödie und wahrscheinlich das bisher beste Buch Helgasons, das von dem Münchner Schriftsteller Kristof Magnusson kongenial übersetzt wurde. Er selbst hat etwa zeitgleich unter dem Titel: "Das war ich nicht" den, wie ich finde, bisher besten Roman über die Finanzkrise bei Kunstmann vorgelegt