Rezension verfasst vor 2 Jahren
(90)
Dieser Band vereint den Roman "Rastlose Nähe" und die Erzählungen "Dunkel wie der Tag". Ich möchte mich hier nur auf den Roman beziehen, der mich sehr beeindruckt hat.
Vielleicht liegt es an Kureishis flüssigem Schreibstil, der in mir das Gefühl weckt, ich würde den Gedanken eines anderen Menschen lauschen und wie gebannt an seinen Lippen hängen; vielleicht aber auch an dem Gefühl, dass diese Gedanken schon tausendmal gedacht wurden, wenn auch vielleicht nicht genauso oft laut geäußert wurden.
Es geht um einen Mann, der beschließt seine Familie zu verlassen: seine Frau und seine zwei wunderbaren Söhne. Es soll sein letzter Abend im eigenen Heim sein. Er macht sich diese Entscheidung nicht leicht, reflektiert Vergangenes, versucht zu analysieren, Haltepunkte zu finden, die Entscheidung rückgängig zu machen. Er liebt seine Söhne, aber der Beziehung zu seiner Frau scheint es an Wärme und Geborgenheit zu fehlen. Er fragt sich, was er sucht und ob er es finden kann; wirft sich Undankbarkeit vor, hadert mit sich und der Entscheidung.
Ich finde die Gedanken dieses Mannes sind wunderbar und nachvollziehbar wiedergegeben. Man hat das Gefühl, diesen letzten Abend mit ihm zu verbringen, sieht seine Söhne und seine Frau Susan, spürt das Fehlen von körperlicher Nähe zwischen den Eheleuten und die Liebe, die von einem Kinderlachen entfacht werden kann.
Wie sieht es aus hinter den Türen der neu gebauten Häuser oder Großstadtwohnungen? Eine Familie zu sein ist eine Herausforderung, erfordert Arbeit. Kann man diesem Anspruch immer gerecht werden? Kureishi formuliert dazu einige interessante Gedanken, denen er durch seinen Hauptakteur Leben verleiht.
Lesenswert!
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