Durch eine Rezension hier auf "Lovelybooks.de" bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden, und musste es mir unbedingt noch vor unserem Urlaub besorgen. Und siehe da, innerhalb von zwei Tagen war es, am Rande eines idyllisch gelegenen Ententeichs, verschlungen, was einerseits sehr für die Qualitäten des Buches spricht. Ich habe aber auch nicht die Augen verschlossen vor den Aspekten, die mich letztendlich nur 4 Sterne vergeben ließen, und genau damit möchte ich anfangen.
Das Buch ist zwar ansprechend aufgebaut, thematisch nach Lektüre-Erlebnissen, und auch nach Lese-Orten auf diesem scheinbar gigantischen Grundstück. Aaaaber, mich hat die ganze Zeit verfolgt, WER ist denn nun diese geheimnisvolle "Besucherin", die der Autor da herumführt?? An keiner Stelle wird sie näher vorgestellt, auch bleibt mir unklar, wieso zwischen dem ersten Besuch, der doch so anregend verlief, und dem zweiten eine ganze Woche verstreichen soll. Jemand schrieb in seiner Rezension hier, diese Besucherin sei fiktiv und eine Erfindung des Autors. Tja, aber dann muss ich mich fragen, wieso er sie dann detaillierte Fragen stellen lässt, und warum er sie so aufwendig bekocht... Auch die gereichten Getränke werden ausführlich beschrieben, und wenn diese Person gar nicht existiert, dann finde ich das Vorgehen des Autors, sorry, muss ich mal so sagen, ausgesprochen eitel und angeberisch. WENN ich schon einen Gesprächspartner erfinde, um das Buch zu strukturieren, dann würde ich das auch halbwegs erkennbar so machen, und nicht auch noch meine Kochkünste und Weinkenntnisse hervorstreichen, sondern mich auf BÜCHER beschränken! Das ist mir also ein wenig sauer aufgestoßen.
Ich kann mich insgesamt des Eindrucks nicht erwehren, der Autor habe mit diesem Buch, was sich zweifellos anregend liest, ein wenig Werbung für sich selber machen wollen. Denn als literarischer Autor ist er mir zumindest vollkommen unbekannt, obwohl ich mich für einen informierten Leser halte. Und angeblich hat er sogar schon hochdotierte literarische Preise in Deutschland gewonnen....aha...
Ich hatte vielleicht auch ein wenig falsche Erwartungen an das Buch. Ich las, zugegeben, als erstes die Lektüre-Empfehlungen, und war bass erstaunt (so sagt man doch??), dass ich erstens kaum eins der gepriesenen Bücher kannte, und zweitens, dass nur die allerwenigsten Empfehlungen Romane waren. Bei der Lektüre des Buches wurde mir das dann ein wenig klarer, als der Autor beschrieb, dass er vorrangig von essayistischer Literatur beeinflusst wurde, und hier insbesondere von den Franzosen. Das erklärt dann so manches!
Soviel zu meinen leichten Negativ-Eindrücken. Ansonsten kann ich mich dem Meisten, was hier gesagt wurde, nur anschließen. Leicht und gut lesbar, mit einer Fülle schlauer Gedanken zum Akt des Lesens an sich, zu den Orten des Lesens, zur möglichen Leseförderung bei Kindern, und natürlich so geschickt angerichtet, dass man am liebsten sofort dieses Lese-Paradies besichtigen würde.
Ich würde nur solchen Lesern von diesem Buch abraten, die erwarten, einen typischen Vorschlags-Kanon zu finden, an dem sie sich messen können. Denn dieses Buch ist wesentlich persönlicher, als es ein Führer durch den Dschungel guter Bücher je sein kann.