Rezension verfasst vor 2 Jahren
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"Es ist der Siebzehnte Tag ohne Schlaf", so beginnt die Erzählung von einer Frau die nachts kein Auge mehr zubekommt. Es ist eine junge Zahnarztgattin, die sich in ihrem Ehefrauendasein langweilt. Sie führte ein ganz normales Leben, bevor sie aufhörte zu schlafen. Es ist eine andere Schlaflosigkeit als die, die sie einst als Studentin quälend empfunden hat. Sie erlebt einen unerwarteten Energieschub und beginnt, von ihrer Familie unbemerkt, des Nachts ein zweites Leben. Die Grenze von Schlaf und Wachen fällt weg, das Doppelleben in dem die Nichtschläferin" nachts mit dem Auto umherfährt, sich der Literaturleidenschaft und dem Alkohol hingibt, erscheint fein strukturiert und ist deshalb letztendlich unheimlich, weil die Wirklichkeit in alptraumhafte Visionen abgleitet. Doch alles ist eigentlich kein Traum, alles ist Wirklichkeit, bei der sie dann doch wegen ihrer Bewegungslosigkeit eine grauenvolle Angst befällt, in diesem anderen Leben abseits des grauen Alltags mit Ehemann und Sohn.
Die Protagonistin befindet sich in einem Traumzustand, der dazu führt das sie sich in ihrer bürgerlichen Existenz gefährdet sieht, wenn auch zunächst die Ereignisse wie ein "lautloser Wind" an ihr vorbei streichen. Doch das unbeeinflussbare Wachsein versetzt sie auch zeitweise in panische Angst, weil sie dabei ihre lebensnotwendige Existenzgrundlage" zu verlieren scheint. Schlafen ist Ausruhen, Körper und Geist ausruhen lassen, die Denktätigkeit unterbrechen. Das ist etwas Ähnliches wie das Abstellen eines Automotors, denn lässt man den ständig laufen überhitzt er und geht kaputt. Doch Tod kann kein Ausruhen sein, aber was bleibt "dann in dem unvollkommenen Leben ohne Entbehrungen?" Bei all diesen Gedanken überkommt sie schließlich eine große Furcht vor der Unstimmigkeit dieser zerbrochenen Wesengleichheit, denn Schlaf ist für Körper, Geist und Seele unentbehrlich, um den Anforderungen des Alltags gewachsen zu sein.
Haruki Murakamis schmales Buch mit dieser melancholischen Kurzgeschichte, die bereits im Erzählband "Der Elefant verschwindet" veröffentlicht wurde, besticht nicht nur durch diese hinreißende das Bewusstsein erweiternde Geisterbahnfahrt des Gefühlslebens, sondern auch durch die Stimmung steigernden, berührenden Illustrationen der Berliner Künstlerin Kat Menschik. Dieses von Nora Bierich kongenial übersetzte Buch ist vielleicht nicht gerade die passende Lektüre für schlaflose Nächte, aber es ist eine Lektüre die ich durchaus empfehlen kann.. =)
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