Rezension verfasst vor 7 Monaten
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Wenn sich jemand bereits lange und intensiv mit Vlad III. Drăculea auseinandergesetzt hat, dann ist es mit Sicherheit schwierig für einen Autor, diese Person mit einem nur 128 Seiten starken Buch zu fesseln. Was soll man schon “Neues” auf 128 Seiten unterbringen, wenn man einerseits den bekannten Forschungsstand referieren muss – damit eben auch jemand, der sich noch nicht mit dem Thema befasst hat, einen guten Überblick bekommt – und dann auch noch einen Bogen zur “Legendenbildung” spannen muss, weil es eben genau diese ist, die an Vlad III. heute noch fasinziniert?
Wirklich unbekannte Aspekte hat Heiko Haumann – jedenfalls für mich – nicht eingebracht. Trotzdem habe ich das kleine Büchlein verschlungen, weil es nicht nur ungeheuer gut recherchiert ist, sondern auch sprachlich sehr solide ist. Es gibt so viele Sachbücher, die langweilig oder umständlich geschrieben sind – weder das eine, noch das andere trifft auf Haumanns Dracula zu.
Für mich war insbesondere der Abschnitt über bildliche Darstellungen des Woiwoden interessant, denn davon hatte ich vor der Lektüre wirklich so gar keine Vorstellung. Heiko Haumann bringt (nicht nur in dem Kapitel über Bilder) immer wieder amüsante Fakten mit ein – so wurden bei einem Gemälde, das vermutlich Vlad III. darstellt, sorgfältig die Augen ausgekratzt. Der Besitzer fürchtete sich doch nicht etwa? ;) Auch die vielen Darstellungen in Wien waren mir bis dato völlig unbekannt.
Sehr lobenswert finde ich, dass über die angeblichen Gräueltaten, nur am Rande berichtet wird. Allzu oft wird Vlad III. fast ausschließlich über die scheußlichen Dinge wahrgenommen, die er getan haben soll (!) – und dabei wird nicht selten außer Acht gelassen, dass eine Pfählung eine eigentlich recht übliche Strafe zu jener Zeit war. Heiko Haumann geht gezielt auf diese Problematik ein, indem er den möglichen Kontext der Quellen, die Forschungslage und auch die Konsequenzen relativ detailliert schildert, dabei aber nicht explizit auf die grauenhaften Einzelheiten eingeht, die in diesen Quellen überliefert sind.
Erwähnenswert ist auch, dass Haumann sich darum bemüht, ‘Dracula’ nicht nur aus westeuropäischer Sicht zu betrachten. Es kommen Themen wie “Vampir-Tourismus” und Co. zur Sprache und auch der Umstand, dass ein solcher “Sensations-Tourismus” eher negativ aufgenommen und mit Argwohn betrachtet wird. Auch “wirkliche” Mythen, Sagen und Legenden rund um den Vampirglauben wird hier Platz eingeräumt – mit dem Verweis darauf, dass “unser Vampir” ein Konstrukt der Literatur ist. Insgesamt macht Heiko Haumann sehr nachdrücklich klar, dass es eigentlich keinen Aspekt gibt, der die Gleichsetzung “Dracula = Vampir” rechtfertigt.
Natürlich kommt auch die literarische (und filmische) Seite nicht zu kurz – neben Klassikern des Genres werden auch neuere Strömungen kurz beleuchtet, so z.B. die Chronik der Vampire von Anne Rice oder die Twilight Saga von Stephenie Meyer. Politische Aspekte werden in dem kleinen Büchlein ebenso betrachtet, wie die Tatsache, dass der Glaube an Vampire (o.ä.) keinesfalls lächerlich ist, sondern in jeder Gesellschaft, in der er lebendig ist, eine Aufgabe erfüllt.
Fazit
Heiko Haumann betrachtet das “Phänomen” Dracula – den wenigen Seiten zum Trotz – aus sehr unterschiedlichen Perspektiven und macht das Büchlein damit zu einem Muss für jeden, der einen ersten Überblick über Vlad III. zum einen und über die Rezeption des Woiwoden zum anderen erhalten möchte. “Dracula – Leben und Legende” ist einfach rundum gelungen!
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