Thorsten ist 17, gefangen in einem "zwergenhaften Körper" und zwanghaft mit Analpflege beschäftigt. Die Handlung spielt an der Ostsee. Hier hält er sich in einer christlichen Familienfreizeit auf - für sagenhafte 384 Mark all inclusive. Morgen- und Abendandachten (mit wirklich lesenswerten Predigten) stehen auf dem Programm nebst "bunten Abenden", "Spielabenden", "Jugenddisco" und anderen typischen (peinlichen) Veranstaltungen.
In der ersten Hälfte der Ferien kämpft Thorsten mit hartnäckiger Obstipation. Der Leidensdruck steigt ins Unermessliche, in einem Anflug von Resignation stellt Thorsten nüchtern fest: "Verstopfung führt unweigerlich zu Darmverschluss, und dann ist Feierabend. Daran werde ich sterben und nicht an Gehirnschlag." Hinzukommt ein weiteres Problem: Er findet keinen Anschluss. An die Coolen und Schönen kommt er nicht heran (es fehlen ihm ca. 20 cm Körpergröße). Mit den Dicken und Hässlichen, kurzum: "Vollspasten," will er sich aber auch nicht auf dieselbe Stufe stellen. Was ihm bleibt, ist das Dasein eines heimatlosen Underdogs, dessen Gedanken um zwei Dinge kreisen: Verdauung und Sex.
Petting und Geschlechtsverkehr mit Partnern beiderlei Geschlechts beschäftigt Thorsten intensiv. Dabei spielen Susanne Bohne, die Beautyqueen mit "den großen Glocken", und Andreas, der Dümmling mit der "großen, dicken Rute", eine prominente Rolle. Thorstens bisexuelle Phantasien materialisieren sich in der Gestalt der Ina, die zwar keinen Busen hat, jedoch über primäre weibliche Geschlechtmerkmale verfügt. Trotz einer sich anbahnenden sexuellen Obsession kommt Thorsten während der Freizeit nicht zum Zug. Dafür muss man als Leser abgefahrene und grenzwertige Schilderungen gedachter Sexakte über sich ergehen lassen, die zum zügigen Vorblättern anhalten. Konstant betrachtet Thorsten seine Mitmenschen durch die Brille eines Sexbesessenen, wittert bei allen "Geilheit" und sexuelles Vergnügen. So viel zur Grundstimmung des Buches ...
Auf wundersame Weise wird Thorsten Mitglied in der Gruppe der Coolen. Zusammen mit dem schönen Heiko, eloquenten Robert und charismatischen Tiedemann (der einen Großteil seines Charisma aus einem Salz-und-Pfeffer-Mantel bezieht, denn er nicht einmal am Strand ablegt) darf er sich im Glanz der Bewunderung sonnen - wenn auch nur für kurze Zeit. Nach einer heimlichen "Saufnacht" mit Apfelkorn und Persico ist der Zauber verflogen und Thorsten steht wieder an seinem angestammten Platz: außen vor. Die Coolen kommen ihm inzwischen nicht mehr so cool vor, die bis dahin "göttliche Susanne" sieht inzwischen nicht mehr so schön aus. Elvis Presley ist tot. Und Thorsten - endlich, eeendlich - legt ein paar Zentimeter zu.
Die Parallelen zu Roches "Feuchtgebiete" sind unverkennbar: Schon das Layout des Umschlags stellt eine visuelle Verbindung her, die auf der thematischen Ebene aufrecht erhalten wird. Hygiene, Sexualität und der Körper als Funktionsgefüge (und nicht eine Hülle nach antikem Vorbild). Beide, Roche und Strunk, stellen den Hygienewahn im geläufigen Sinn zur Debatte (Intimpflege, Desinfektion). Darüber hinaus karikieren sie moralische Hygiene, wie sie von der Kirche und der "Gesellschaft" propagiert wird. Explizite Wortwahl mit hohem Ekelfaktor beherrscht auch Strunk. Ebenso legt er großen Erfindungsreichtum an den Tag, wenn es darum geht, Marktlücken aufzuspüren und kuriose Produkte zu konzipieren. Mit Thorsten legt Strunk jedoch einen Helden vor, der kaum zur Identifikation taugt. Ganz anders verhält es ich mit Roches Helen, deren Analfissur zum internationalen Politikum an der feminitischen Front wurde.
Fazit: Wer Fäkalhumor schätzt, wir hier auf seine Kosten kommen. Ansonsten eine traurig-komische Studie über gruppendynamische Prozesse unter Jugendlichen. Stellenweise sehr sehr lustig. Stellenweise sehr sehr eklig. Nicht weniger, aber auch nicht mehr...