Der Roman "Cleo: Wie ich das Lachen wieder lernte", Originaltitel: "Cleo. How an uppity cat helped heal a family" von Helen Brown hat mich besonders berührt und ich danke dem Verlag hiermit herzlich dafür, dass mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Und gleich auch ein Dank, dass es solche Autoren wie Helen Brown gibt, die meiner Ansicht nach locker einige Therapeuten und Psychologen ersetzen könnte.
Über die Autorin kann man folgende Zeilen lesen: "Helen Brown ist eine der bekanntesten und meistgelesenen Kolumnistinnen Neuseelands. Seit 30 Jahren schreibt sie über die sogenannten alltäglichen Dinge des Lebens wie Geburten, Todesfälle und Hochzeiten, Supermarktschlangen, Katzenklos und das Leben mit Teenagern. Sie arbeitet fürs Fernsehen und fürs Radio und lebt seit neun Jahren in Melbourne, Australien."
Außerdem ist dieser Roman autobiographisch. Helen Brown hat demnach mit mir selbst (und vermutlich ja auch noch einigen Lesern) zumindest eines gemeinsam: Sie hat ein Kind verloren, also einen der schlimmsten Schicksalsschläge erlitten, den ein Mensch u.a. nur erleiden kann und über den man im Grunde nie hinwegkommt. Fast hätte ich deshalb dieses Buch auch lieber nicht lesen wollen, tat es dann aber doch - denn ich fühlte mich der Autorin in dem Moment verbunden, als ich feststellte, dass sie selbst auch in etwa die gleiche Zeitspanne gebraucht hat, um darüber überhaupt reden bzw. schreiben zu können...und ich kann mir sehr gut vorstellen, wieviel Kraft es oft gekostet haben mag, diesen Roman zu schreiben.
Und damit bin ich auch schon beim Inhalt angelangt, der im Grunde recht schnell erzählt und an sich undramatisch ist, weil das Leben an sich halt einfach so ist, wie es Helen Brown beschreibt:
Als ihr Sohn Sam den tödlichen Unfall erleidet, stürzt die ganze Familie in jenes finstere Loch voller Depressionen, Fragen nach dem Warum, den Schuldzuweisungen, der zersetzenden Lähmung. Dass selbst der Hund seine Agilität dabei verliert, ist nicht nur ein Kunstgriff der Autorin...sondern Betroffene meinen wirklich, die Erde stünde kurzzeitig still und Hunde leiden meist solidarisch mit ihren Rudelführern.
Katzen tun dies jedoch nicht! Was man von Katzenbesitzern so hört, ist, dass eine Katze eigentlich immer ihre eigenen Wege geht. Zwar spüren diese sensiblen Tiere, wenn etwas in der Luft liegt, sind offenbar aber viel zu sehr dem Leben selbst verbunden und fordern das auch immer wieder ein.
Und genau das passiert auch der Familie von Helen Brown: das kleine und nicht gerade hübsch aussehende Katzenkind Cleo, welches Sam eigentlich zum Geburtstag bekommen sollte, drängt sich selbstbewußt, anspruchsvoll und fordernd in das Leben der Familie und läßt deren Baden im Selbstmitleid einfach nicht zu.
Sie begleitet die Familie über 24 Jahre - ich wollte erst nicht glauben, dass Katzen tatsächlich so alt werden können, habe mich aber eines besseren belehren lassen - und teilt mit ihr alle Höhen und Tiefen. Denn, auch wenn man manchmal dazu neigt, zu glauben, nach schweren Schicksalsschlägen müßte das Leben doch mal eine zeitlang sanft mit einem umgehen und man hätte doch jetzt dann mal eine Strecke Glück verdient, kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der nächste Hammer. Bei Helen Brown in Form einer Scheidung, wo auch hier wieder die Katze Cleo eine nicht unwichtige Rolle spielt.
Ob es nun die Katze wirklich im Leben von Helen Brown gab oder ob sie nur als Symbol steht, wie man aus den Untiefen des Lebens in kleinen Schritten wieder herauskommt, wie eine Katze eben buchstäblich wieder auf seine Pfoten fallen muß und weitergehen ... besser, warmherziger, humorvoller, feinfühliger und lebensbejahender kann man einen Roman über solche schwierigen und mit Fingerspitzengefühl zu behandelnden Themen kaum schreiben. Die ganz selten vorkommenden Überspitzungen, wie in der Szene, als Cleo einen Heiratskandidaten anpinkelt während der andere sofort akzeptiert wird, tüte ich persönlich schmunzelnd als künstlerische Freiheit ein, die auch dem Leser hilft, das ganze Buch wieder als das zu sehen, was es ist: ein Roman über das Leben.
Leben muss man halt doch einfach selber.