Leser-Rezension zu „Die Sammlerin” von Helga Beyersdörfer
am 27.07.2010
Wie eine kleine Mahlzeit für Zwischendurch. So locker und unbeschwert kann man den Krimi “Die Sammlerin” von Helga Beyersdörfer genießen. Ein Genuss ohne Reue.
Annika hat es satt. Überall wird die übergewichtige Witwe mittleren Alters belächelt, ignoriert oder herumgeschubst. Damit ist jetzt Schluss. Energisch nimmt sie ihr Leben wieder selbst in die Hand. Zwei wichtige Ziele setzt sie sich zu Beginn des Jahres. Bis zur Silvesterpremiere in ihrem Stammtheater will sie von über 100kg auf Kleidergröße 40 herunter. Und ihr geliebtes Burghoftheater wird sie auch retten. Hat doch der Frankfurter Kulturdezernent beschlossen die Subventionen zu streichen, was einer Schließung gleichkäme. Das muss verhindert werden. Aber dazu müssen Köpfe rollen. Oder vielleicht doch nicht? Annika ist schließlich eine passionierte Pilzsammlerin!
Mühelos liest man sich durch diesen beschwingten Krimi. Die Figuren sind flott angelegt. Allen voran Annika, die zu Beginn als plattfüßiges Schwergewicht durch ihr Leben trampelt und am Ende als burschikose, durchtrainierte Mittfünfzigerin ihren Willen durchsetzt. Daneben gibt es den cholerischen, aber genialen schauspielernden Intendanten Helmut Hessler. Die stets patente, aber intrigante Sekretärin Sabine Pock. Den korrupten Kulturdezernenten, seinen Assistenten mit dunkler Vergangenheit, diverse bunte Kulturschaffende, einige Leichen und jede Menge Frankfurter Lokalkolorit.
Obwohl der Krimi sprachlich sehr einfach gehalten ist, hat er ein durchaus ansprechendes Niveau. Die Dialoge sind realistisch, die Charaktere zwar etwas klischeebehaftet aber trotzdem glaubwürdig. Alles in allem ein gelungenes Exemplar seiner Gattung. Ein schöner Pilz zum Sammeln.

