Leser-Rezension zu „Die Vergolderin” von Helga Glaesener

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Readit Readit
Verfasst von Readit
am 24.04.2011
 

Ein Osnabrücker Goldschmied wird mitsamt seiner Familie aus der Stadt gejagt, weil er seine Kundschaft betrogen hat. Dies bedeutet für die ganze Familie Armut und Ausgrenzung - sie will sich zum Großvater nach Braunschweig durchschlagen, um dort zu leben. Der Vater gegeht schließlich Selbstmord, die Mutter stirbt an Auszehrung, und so bleibt es Elisabeth überlassen, mit den Geschwistern beim Großvater anzuklopfen und um Asyl zu bitten. - Auch der Großvater ist Goldschmied, aber seine Augen und seine Hände lassen nach, doch Elisabeth hat Talent und kann heimlich für den Großvater dessen Aufträge übernehmen und das Familieneinkommen sichern. Ihr früherer Verlobter Berthold aus Osnabrück hilft ihr mit Blattgold, mit dem sie Rahmen verziert und so etwas eigenes Geld verdient. Alles wäre gut, wenn es da nicht den neidischen Nachbarn (hier: der Gildemeister Gregor) gäbe. Dieser ist aufgeschreckt durch das plötzliche Auftauchen seines lange verschollenen Halbbruders Martin, der als reicher aber blinder Kaufmann zurückkehrt, um endlich Klarheit das zu bekommen, was ihm in seiner Kindheit widerfahren ist und was der Grund für seine Blindheit ist. Elisabeth und Martin treffen nachts in einem Wald aufeinander, als Martin Elisabeth vor Wegelagerern versteckt und sie ihn dafür am Tage in die Stadt bringt.

Elisabeth gerät in die Ränke des Gildemeisters, der sie gegen seinen Bruder einsetzen will und deshalb erpresst. Martin seinerseits will einerseits Elisabeth schützen, benötigt andererseits aber ihre Hilfe, um die Wahrheit über den Brand herauszufinden, bei dem er sein Augenlicht verlor und um eine Spur seiner Mutter zu finden, die er sehr liebt. Auch die anderen Familienmitglieder Elisabeths werden in das Geschehen einbezogen, und nicht alle kommen heil aus der Sache heraus. Die Ereignisse überschlagen sich, aber das Ende ist versöhnlich.

Helga Glaesener beschreibt die Handlung in bildreicher Sprache, ohne zu übertreiben und ohne zu gespreizt mittelalterlich zu klingen, die Geschichte ist gut lesbar und kommt auch ohne unnötig grausame Folterszenen aus. Zwar sind einige Charaktere sehr eindimensional entweder nur gut oder nur böse, aber das führt in meinen Augen nicht zur Abwertung. Gut beschrieben ist das Frauenleben im 17. Jahrhundert, als es für Frauen kaum Gelegenheit gab, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und auch Männern durch die mächtigen Zünfte das Leben schwer gemacht wurde. Es ist eigentlich für jeden etwas dabei, Spannung, Intrige, Wissenswertes und Liebe, und zum Schluss bekommt Jane Eyre ihren blinden Mr. Rochester. Mir hat das Buch gut gefallen!

 

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Die Vergolderin Die Vergolderin
Helga Glaesener

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historischer roman, braunschweig, engel, blinde, spannung

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Die Vergolderin
von Helga Glaesener

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