Leser-Rezension zu „Eros” von Helmut Krausser
am 23.01.2010
Alexander von Brücken ist besessen von Kindheit an. Seine Obsession heißt Sofie. 1944 lernt der pubertierende Alexander Sofie im Luftschutzkeller kennen bzw. er begegnet ihr dort. Da beide aus sehr unterschiedlichen sozialen Schichten stammen, gibt es keine Anknüpfpunkte zwischen ihnen. Alexander kann Sofie nicht für sich gewinnen.
Er ist der Sohn eines Großindustriellen, wohl einem der reichsten Männer der Republik. Sofie ist die Tochter von einfachen Arbeitern, die in der Fabrik der von Brückens ihr Tagwerk leisten. Als Sofie eines Tages, der Krieg dauert immer noch an und die Armut ist groß, Alexander einen Kuss für fünfzig Mark verkauft, da ist es endgültig um ihn geschehen, denn der Kuss ist innig und überwältig ihn. Für Sofie bedeutet er nichts, sie will lediglich für den Familienunterhalt Geld beschaffen.
Krausser erzählt hier eine Lebensbeichte und ein Stück deutsche Zeitgeschichte. Er verpackt dies in eine besondere Erzählform, denn Alexander von Brücken ist mittlerweile alt und sehr krank. Er engagiert einen Autor und erzählt ihm die Geschichte seiner Obsession. Dieser erhält den Auftrag daraus einen glaubwürdigen Roman zu verfassen. Der Leser ist stummer Begleiter dieses Protokolls über acht Tage hinweg.
Diese Erzählung, die Jahrzehnte deutscher Geschichte umspannt bleibt gerade aufgrund dieser ungewöhnlichen Erzählweise immer spannend und interessant.
Von Brücken bleibt sein Leben lang unermesslich reich und mächtig, dies befähigt ihn, Sofies Leben zu observieren, zu manipulieren und oft unerkannt daran zu partizipieren.
Daniel Kehlmann schreibt als Kommentar: „Ein Roman über die feinen Grenzen zwischen Liebe, Leidenschaft und Wahn.“
Ich sage gelungen und fesselnd umgesetzt, wieder einmal ein Dankeschön an Herrn Krausser von mir!

